Schlafanzugsoberteile für Kind mit Zugang

Vor ein paar Jahren musste ich 28 Tage mit meiner jüngsten Tochter in zwei verschiedenen Kliniken verbringen. Weil zwei Ärzte nicht erkannt hatten, dass sie eine Blinddarmentzündung hatte, musste sie schließlich notoperiert werden. Wenn man bedenkt, dass ich schon beim ersten Artzbesuch in der Uniklinik Tübingen den Verdacht auf Blinddarm geäußert hatte, diesem Verdacht aber nicht nachgegangen wurde (kein Ultraschall, keine Blutuntersuchung), ist das schon erschreckend. Das war an einem Sonntag. Zuvor hatte meine Tochter einen Fieberkrampf und wir riefen einen Krankenwagen. Die Mitarbeiter beim Roten Kreuz fragten uns, ob wir nicht selbst zum Arzt fahren könnten. Die diensthabende Kinderärztin hatte keine Zeit und vertröstete uns auf einen späteren Termin, weshalb ich dann gleich zur Uniklinik gefahren bin.  Von dort wurden wir mit der Aussage, das sei ein Virusinfekt, der gerade umgehe und die Bauchkrämpfe verursache, wieder nach Hause geschickt. Meiner Tochter ging es mit der Zeit immer schlechter, sie hatte Verstopfung und Bauchscherzen. Sie ist allerdings kein Jammerkind, weshalb der Arzt wohl dachte, wenn man beim Druck auf den Bauch keine Schmerzen hat, könne das auch keine Blinddarmentzündung sein. Auch der zweite Arzt, den wir zwei Tage später aufsuchten, stellte keine richtige Diagnose, obwohl der Blinddarm zu diesem Zeitpunkt längst durchgebrochen war. Er quälte meine Tochter lediglich mit zwei Einläufen, hatte aber überhaupt keine Ahnung, was ihr fehlte (und das war ein Arzt im Rentenalter, Erfahrung sollte er genügend gehabt haben). Unser Kinderarzt war während dieser Zeit leider im Urlaub, sonst wäre all das wohl nicht passiert.

Wäre mein Mann nach dem zweiten Artzbesuch nicht von sich aus mit unserer Tochter noch einmal direkt in die Klinik gefahren, hätte sie sterben können.

Die Verkettung unglücklicher Umstände war damit aber noch nicht beendet.

Der Kinderchirurg, der sie operiert hat, hatte wohl vergessen, dass sie bereits einen Durchbruch und eine schwere Bauchfellentzündung hatte (das hat man auf dem zuvor  gemachten Ultraschall gesehen) und hat standardmäßig eine Bauchspiegelung vorgenommen. Darauf ist er spezialisiert. Weil der ganze Bauchraum verunreinigt war, musste aber dennoch ein Bauchschnitt gesetzt werden, um zu spülen. Infolge der Bauchspiegelung kam es bei meiner Tochter zu einer Mesenterialvenenthrombose. Und weil die Kinderchirurgen der Uniklinik Tübingen es nicht für nötig hielten, einen Gerinnungsspezialisten (der im Haus gewesen wäre) hinzuzurufen, obwohl unser Kinderarzt ausdrücklich darum gebeten hatte, schafften sie es nicht, die Thrombose aufzulösen. Statt erfahrener Gerinnungspezialisten kümmerten sich meist Assistenzärzte um meine Tochter. Vielleicht wäre es für eine Lyse ohnehin schon zu spät gewesen, aber wenn man Spezialisten im Haus hat und diese nicht zu Rate zieht, ist das schon unverantworlich. Vor allem, weil fast niemand Erfahrung mit Mesenterialvenenthrombosen bei Kindern hat, nicht einmal die Gerinnungsspezialisten selbst. Auf jeden Fall musste meiner Tochter ein Zugang gelegt werden, um sie mit Heparin zu versorgen. Auch bei der Einstellung (sprich bei der Dosierung) wurden Fehler gemacht.

Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende erzählt, aber da es hier ums Nähen geht, verkürze ich nun stark. Noch einigen aufregenden Wochen und einem weiteren Krankenhausaufenthalt in München musste meine Tochter insgesamt ein Jahr lang Heparin spritzen (bzw. ich musste sie spritzen) und regelmäßig zur Blutkontrolle. Inzwischen kann sie aber wieder ganz normal, ohne Blutabnahmen und Heparinspritzen leben. Die Mesenterialvenenthrombose hat dazu geführt, dass die Mesenterialvene nicht mehr existiert, sich stattdessen aber zahlreiche Umgehungskreisläufe gebildet haben.

Während unseres Krankenhausaufenthaltes (ich blieb Tag und Nacht bei ihr) habe ich mich nicht nur über die ärztliche Versorgung aufgeregt, sondern auch über so manche Krankenschwester. Nachdem meine Tochter den Zugang hatte, hat man ihr Krankenhaushemdchen zum Anziehen gegeben. Diese wurden mit Druckknöpfen geschlossen. Viele der Druckköpfe waren vom vielen Waschen so verbogen, dass sie nicht mehr hielten und meine Tochter vom Schlafen auf den Knöpfen schon ganz zerkratzt war. Auf meine Frage, ob wir nicht Ersatz bekommen könnten, bekam ich die schnippische Antwort einer der  Schwestern, wenn mir die Hemdchen nicht gut genug wären, dann müsste ich halt selbst welche besorgen.

roetsch-Kind-mit-Zugang

Weil ich sowieso froh war, dem Krankenhaus für ein paar Stunden zu entfliehen, habe ich Zuhause schnell ein paar Oberteile für sie genäht, die ich ihr auch ohne Hilfe der Schwestern anziehen konnte. Während dieser Zeit hat mein Mann ihr im Krankenhaus Gesellschaft geleistet.Bei „normalen“ Schlafanzugsoberteilen musste der Schlauch am Zugang immer ab- und wieder angeschraubt werden, um sie anzuziehen.

Die von mir genähten Teile sind nicht perfekt genäht, aber sie erfüllten ihren Zweck und konnten ohne fremde Hilfe angezogen werden und meine Tochter fühlte sich gleich viel wohler. Die Schnitte habe ich von verchiedenen Ottobre-Schnitten abgewandelt.

roetsch-rosa-Schlafanzugsoberteil-mit-Knoepfen

Das Schlafanzugsoberteil auf dem oberen Bild hat auf jeder Schulternaht zwei Knopfverschlüsse. Hier ist es egal, auf welcher Seite der Zugang liegt.

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Dieses Oberteil konnte an der linken Seite und der linken Schulternaht mit Druckknöpfen geschlossen werden. Damals war der Zugang auf der linken Seite.

roetsch-Schlafanzugsoberteil-mit-Bindebaendern-und-Leinenhose

Dieses einfache Hemdchen ließ sich mittels Bindebändern schließen. Auf dem oberen Bild ist es etwas verrutscht, wie man auf dem schlechten unteren Bild sehen kann, saß es aber gut.

Die Leinenhose, die ihr oben sehen könnt, habe ich ebenfalls genäht, denn tagsüber hat meine Tochter meist eine Hose angezogen, mit der sie auch durch die Klinik ins Spielzimmer gehen konnte. Zum ersten Oberteil habe ich auch eine passende Hose genäht, von ihr habe ich aber leider kein Bild gemacht und inzwischen ist sie samt Oberteil verschenkt worden.

Ein paar Sätze noch zum Schluss. Sollte euer Kind einmal eine solche Zunge haben, macht euch keine Sorgen. Das ist eine lingua nigra, die von alleine wieder verschwindet. Wenn man tagelang nichts isst, kann es zur Entstehung einer solchen schwarzen Zunge kommen. Nach der Blinddarm-OP durfte meine Tochter tagelang keine feste Nahrung zu sich nehmen und deshalb hat die Zunge sich wohl derart verfärbt.

roetsch-Kind-mit-lingua-nigra-oder-brauner-Zunge

Ich zeige sie hier, weil bei meiner Tochter viele Ärzte nicht wussten, was das ist, man vermutete eine Pilzerkrankung und behandelte mit Nystatin. Darauf reagierte meine Tochter allergisch und es wurde wieder abgesetzt.

Trotz dieser negativen Erfahrungen haben wir auch schon viele gute Erfahrungen mit der Uniklinik Tübingen gemacht. Dies ist einer der Gründe, warum wir die Klinik letztendlich nicht verklagt haben, obwohl ich das eigentlich wollte. Es ist auch nicht verboten, bei einem durchgebrochenen Blinddarm eine Bauchspiegelung vorzunehmen und die Aussicht auf Erfolg wäre vermutlich gering gewesen.

Allen, die es geschafft haben, bis hierhin zu lesen, rate ich: Hört auf euer Gefühl und lasst euch nicht von Ärzten abwimmeln oder beschwichtigen. Ihr kennt euch oder eure Kinder am besten. Sollte euch ein Arzt nicht Ernst nehmen, sucht euch einen anderen.

Am besten ist es, wenn man erst gar keinen Arzt aufsuchen muss. Deshalb: Bleibt gesund!

Liebe Grüße
Carmen

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