Das Warten hat sich gelohnt: Mein ausgefuchster Nadelbrief

Wie ihr sicher gelesen habt, mache ich beim von Mila organisierten Nadelkissentausch mit. Insgesamt 30 bloggende Teilnehmerinnen hatten die Aufgabe, jeweils für eine andere ihnen zugewiesene Teilnehmerin ein Nadelkissen oder einen Nadelbrief zu nähen und dabei möglichst den Geschmack der zu Beschenkenden zu treffen. Jede Teilnehmerin konnte durch die Beantwortung eines von Mila erstellten Fragebogens etwas über sich preisgeben, manche haben aber auch bewusst ganz oder teilweise darauf verzichtet, weil sie wollten, dass ihr Blog für sich spricht.

Spätestens Ende letzter Woche sollten alle fertigen Werke verschickt werden. Von einer anderen Teilnehmerin wusste ich, dass sie sich schon am Freitag über ihr Päckchen freuen konnte und auch bei Mila auf der Seite verlinkten immer mehr Teilnehmerinnen ihre Geschenke. Als ich vorgestern vom Einkaufen nach Hause kam und mir meine Nachbarin mit einem Päckchen in der Hand entgegenkam, freute ich mich schon, denn ich dachte, das wäre mein Nadelkissen oder mein Nadelbrief. Doch es war nur ein Päckchen für einen anderen Nachbarn, das ich für sie weitergeben sollte. (Sie ist immerhin schon weit über 90!)

Um so größer war dann gestern die Freude, als ich einen an mich adressierten Umschlag von meiner mir unbekannten Tauschpartnerin im Briefkasten vorfand. Wenn man sich etwas Bestimmtes wünscht und es dann auch bekommt, ist es ja schön und gut, oft sogar super gut, aber viel schöner ist es doch, wenn man nicht weiß, was man bekommt und sieht, welche Gedanken sich jemand gemacht hat, um einem eine Freude zu bereiten.

Aber ich gebe es zu, manchmal war ich über ungeahnte Geschenke auch schon sehr enttäuscht und hätte sie am liebsten zurückgegeben. Aber so unhöflich bin ich dann doch nicht und nach einiger Zeit ließ auch die Enttäuschung nach und ich habe mich mit meinen Geschenken angefreundet und mag sie inzwischen sogar. Das liegt zwar nicht daran, dass sich mein Geschmack geändert hat, denn selbst kaufen würde ich sie mir auch heute nicht, sondern daran, dass ich weiß, was sich der Schenkende dabei gedacht hat, als er diese Geschenke für mich ausgewählt hat.

Gespannt öffnete ich also den Umschlag und fand erst einmal eine schöne von einem Freund meiner Tauschpartnerin gestaltete Karte vom kleinen Prinzen und ein in Zeitung eingewickeltes Päckchen vor:

Der-kleine-Prinz-Karte-und-Paeckchen-mit-Nadelbrief
Den kleinen Prinzen mag ich sehr. Ich mochte ihn auch schon als Kind und ich mag ihn immer noch. Genau weiß ich es nicht, aber ich glaube, einer meiner älteren Brüder hat den kleinen Prinzen in der Schule gelesen und ich bin dadurch auf ihn aufmerksam geworden. Wenn man mit älteren Geschwistern aufwächst, will man ja oft genau das machen oder lesen, was sie machen oder lesen. Sonst hätte ich wohl auch niemals Charles Bukowski gelesen, aber das nur am Rande. Der wohl bekanntesten Aussage dieses Büchleins, dass man nur mit dem Herzen gut sieht, würden wohl die meisten Menschen zustimmen, trotzdem begegnet man doch häufig Menschen, die das vergessen zu haben scheinen.

Schön finde ich es, dass Antoine de Saint-Exupéry den kleinen Prinzen in New York veröffentlicht hat und dass sich das Manuskript in der Morgan Library in New York befindet, die ich während eines meiner New York-Besuche besichtigt habe. Das konnte meine Tauschpartnerin zwar alles nicht wissen, weil ich hier nie darüber berichtet habe, aber dass ich gerne in New York bin und mir gerne Museen anschaue, ist ihr vielleicht beim Stöbern in meinem Blog aufgefallen.

Sicher haben die meisten von euch den kleinen Prinzen schon einmal gelesen, wenn nicht, könnt ihr diesen Beitrag ja zum Anlass nehmen. Jedenfalls begegnet der kleine Prinz unter anderem auch einem ungezähmten Fuchs, der ihm die oben genannte Aussage als sein Geheimnis mit auf den Weg gibt.

Nachdem ich die Zeitung entfernt hatte, kam dieses schöne Päckchen zum Vorschein. Paisley mag ich wirklich auch sehr gerne, momentan liegt sogar eine selbst genähte Paisley-Tischdecke bei uns auf dem Tisch. Vielleicht hat meine Tauschpartnerin einmal die Paisley-Stickerei gesehen, die ich schon mehrfach für meine kleine Tochter ausgestickt habe, vielleicht haben wir aber auch nur zufällig denselben Geschmack:

Paisley-Geschenkverpackung
Nachdem ich das schöne Papier entfernt habe, kam dieser hochwertige Fuchs-Stoff zum Vorschein, den meine Tauschpartnerin passend zur Karte für mich ausgewählt hat. Vielleicht war es auch umgekehrt und sie hatte erst den Stoff und dann die Idee zur Karte.

Detailansicht-Fuchsstoff-Patchwork-Nadelbrief
Dass ich Füchse mag, wissen glaube ich alle, die hier schon länger mitlesen. Über eine genähte Fuchs-Karte, die mir sehr gut gefallen hat, habe ich schließlich Karin von Lockwerke kennengelernt. Die Karte habe ich ja für euch digitalisiert und als Freebie-Stickdatei bereitgestellt. Aus einer anonymen Internetbekanntschaft ist dank des Fuchses eine echte (Blogger-)Freundschaft entstanden und neben einigen ausgestickten Füchsen (wie hier und hier bereits gezeigt) ist dank Karin auch eine Fuchsvase bei mir eingezogen, die ihr euch hier anschauen könnt, wenn ihr wollt. Als ich am Wochenende von einem Treffen mit Karin und miss sewing zurück nach Köln fuhr, ist mir am Fahrbahnrand sogar ein echter Fuchs begegnet. Als ich vor Jahren zum ersten Mal einem Fuchs bei einem Heurigen in Wien begegnet bin, war ich ehrlich gesagt aber schon eher erschrocken als erfreut und hätte ihn niemals mit dem Gedanken der Freundschaft in Verbindung gebracht. Vielleicht tragen die auf Stoff gedruckten und gestickten Füchse ja zur Entstehung weiterer Freundschaften bei, wer weiß.

Weil meiner Tauschpartnerin im Blog herbstliche Farben aufgefallen sind, hat sie zum Fuchs-Stoff einen grünen und einen roten Stoff kombiniert und zwar nicht irgendwie, sondern als hübsche Patchwork-Näherei mit einem raffinierten Schnitt.

Patchwork-Nadelbrief-geoeffnet-Aussenseite
Wie ihr wisst, mag ich Patchwork sehr gerne, auch wenn ich mit meinem Dresden Plate Quilt einfach nicht vorankomme. Und der Herbst beschäftigt mich im wahrsten Sinne des Wortes jedes Jahr aufs Neue. So kommt es auch, dass ich oft mehrere Stunden mit dem Fegen von Herbstlaub beschäftigt bin und dann gar nicht zum Nähen oder Bloggen komme. Falls ihr euch also wundert, warum es hier in den letzten Tagen so ruhig war, wisst ihr jetzt den Grund.

Meine Tauschpartnerin hat aber anscheinend auch bemerkt, dass ich gerne praktische Dinge mag. So hat sie nicht nur einen mit schönen Webbändern verzierten „Nadelfächer“ in das Innere des Nadelbriefs genäht,

Patchwork-Nadelbrief-geoeffnet-Innenseite
sondern auch ein Fach für eine kleine Schere oder sonstige Kleinigkeiten aufgestickt.

eingenaehte-Tasche-Patchwork-Nadelbrief
Zu guter Letzt hat sie in mühevoller Handarbeit auch noch Druckknöpfe zum Verschließen mit der Hand angenäht, sodass auch nichts aus dem Nadelbrief herausfallen kann.

Liebe Nadelkissentauschpartnerin, du scheinst ein „schlauer Fuchs“ zu sein, denn es ist unglaublich, wie viele Gedanken du dir für meinen Nadelbrief gemacht hast und wie richtig du mit deinen Entscheidungen liegst. Du bist meinen Ansprüchen mehr als gerecht geworden und hast mir mit deinem Geschenk eine riesige Freude gemacht. Und als ob du es geahnt hättest, dass ich während des Nadelkissentauschs bereits ein Nadelkissen von einer lieben Leserin geschenkt bekommen habe, hast du dich für einen Nadelbrief entschieden, obwohl ich ja keine Präferenzen genannt habe.

Ich danke dir sehr für diesen einzigartigen Nadelbrief, deine Mühe und Arbeit und die Zeit, die du nicht nur in die Herstellung, sondern auch für die Überlegungen investiert hast. Niemals wäre ich selbst auf die Idee gekommen, einen solchen Nadelbrief für mich zu nähen, aber er ist wirklich wie für mich gemacht und wird mir überall gute Dienste leisten und mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Ist ja schließlich Wahnsinn, dass du dir so viel Arbeit für mich gemacht hast, obwohl du mich gar nicht persönlich kennst.

Auch deinem Freund möchte ich für die Bearbeitung und Entwicklung der Karte danken.

Wer wie ich wissen möchte, wie die Nadelkissen und -briefe der anderen Teilnehmerinnen aussehen und/oder ankamen, der klickt hier und von dort zu den jeweiligen Beiträgen.

Ohne Mila wäre dieser schöne Tausch nicht zustande gekommen, deshalb noch einmal vielen Dank auch an sie.

Wie gefällt euch mein ausgefuchster Nadelbrief? Habt ihr auch schon einmal ein für euch gefertigtes Geschenk von jemandem bekommen, den ihr nicht kennt oder ein Geschenk für eine/n Fremde/n gemacht?

Liebe Grüße
Carmen

PS: Ab dem 16. November dürfen die Teilnehmerinnen Einblicke in ihren kreativen Schaffensprozess geben. Ab dann kann ich euch hier zeigen, was ich für meine Tauschpartnerin genäht habe.

20 Gedanken zu „Das Warten hat sich gelohnt: Mein ausgefuchster Nadelbrief

  1. Das ist ja wirklich ausgefuchst und sehr hübsch geworden. Eine tolle fast schon Origami-Falttechnik des Nadelbriefs! Richtig spannend, dieses andere und scheint wirklich praktisch durchdacht zu sein (was mir auch wichtig wäre)!
    LG. Susanne

    • Stimmt, abgesehen von den kleinen Rundungen erinnert mein Nadelbrief wirklich an Origami. Vielleicht ist meine Tauschpartnerin eine Papierliebhaberin, die du vielleicht von deiner Papierkunst am Montag kennst. Durch den Tausch bekommt man sehr viele Anregungen, nicht nur durch das Anschauen der fertigen Tauschgeschenke, sondern auch durch das Entdecken anderer Blogs und selbst beim Nähen meines Tauschgeschenkes fiel mir noch das ein oder andere ein, was ich beim nächsten Mal anders machen würde. Dafür blieb aber leider keine Zeit. Du scheinst ja noch kein Tauschgeschenk erhalten zu haben, aber ich bin schon gespannt, ob es auch so praktisch wie meins sein wird.
      Liebe Grüße
      Carmen

  2. Ist ja ein richtiger Origami-Nadelbrief geworden. Wie niedlich die Füchse durch die Farbecken spinxen. Diese „komplizierte“ Technik habe ich noch nie gesehen. Ach, ein schöner Nadelbrief, ein schönes Nadelkissen reiht sich bei diesem Tausch aneinander. Ich würde sie am Liebsten alle haben. LG mila

  3. Mir geht es wie dir, diese „komplizierte“ Technik kannte ich auch nicht, vielleicht kommt sie wirklich vom Origami. Meine Tauschpartnerin wird das sicher auflösen. Bei deinem Nadelkissentausch kommt wirklich eine tolle Sammlung zustande und ich finde nicht nur die Ergebnisse interessant. Ich freue mich schon auf weitere Verlinkungen der anderen und auch auf die Berichte der Teilnehmerinnen über die Fertigung ihres Tauschgeschenkes.
    LG Carmen

  4. Was für ein raffinierter Nadelbrief! Auch wieder ein wunderbares Beispiel dafür, wie intensiv sich Deine Tauschpartnerin mit Deinem Blog beschäftigt und die Anregungen aufgegriffen hat. Da steckt so viel Liebe drin und er hat super schöne Details. Ist auch toll, dass Du uns die alle mal zeigst. Ich hatte ebenso viel Glück und bin mit meinem überglücklich.
    Und wie schön ist es doch, dass ich über Milas Nadelkissentausch auch Deinen Blog und die anderen gefunden habe. Eine Quelle der Inspiration, interessant, unterhaltsam- einfach schön!
    Liebe Grüße, Beatrice

    • Liebe Beatrice,
      wenn jemand sich so viel Mühe für mich macht, dann muss das meiner Meinung nach auch gewürdigt werden. Deinen Nadelbrief finde ich auch toll und er passt ja auch ganz wunderbar zu dir, soweit ich das von dem, was ich bei dir auf dem Blog gelesen und gesehen habe, beurteilen kann. Milas Austausch ist wahrhaft eine Quelle der Inspiration. Ich finde es auch gut, dass nicht viele Hundert Teilnehmer wie bei anderen Linkpartys mitmachen, da man so doch eher die Möglichkeit hat, bei allen mal vorbeizuschauen.
      Liebe Grüße
      Carmen

  5. Ui, so einen Nadelbrief habe ich auch noch nie gesehen. Was für eine tolle Idee und auch ungewöhnliche Form. Schön, dass dein Wichtel deinen Geschmack so gut getroffen hat!
    Liebe Grüße
    Caroline

  6. Oh wie schön, dass dieser ausgefuchste Nadelbrief dich erreicht hat. Du hast ja schon ungeduldig gewartet. Mir gefällt die raffinierte Klapptechnik total und der Stoff sowieso. Du hast recht, es macht richtig Spaß mitzufiebern und zu sehen, welche Nadelbriefe getauscht werden. Ich grüße dich herzlich und freue mich mit für dich Karin

  7. Lustig, dass du dachtest der hübsche Nadelbrief könnte von mir sein. So einen Schnitt habe ich noch nie gesehen, sehr raffiniert. Den Fuchsstoff hätte ich vielleicht für dich auch ausgesucht, aber alles wäre wahrscheinlich insgesamt heller gewesen.
    Liebe Grüße
    Jennifer

    • Ich habe gerade von Mila erfahren, dass ich nicht die einzige Teilnehmerin bin, die fälschlicherweise denkt von dir beschenkt worden zu sein. Weil du quiltest und der Briefumschlag in Frankfurt abgestempelt wurde, hatte ich dich in Verdacht. Außerdem hast du irgendwann einmal bei Mila kommentiert, dass du hoffst, deine Beschenkte wäre mit ihrem Geschenk ebenso zufrieden wie sie. Als Mila am Tag meines Postings dir dann bestätigt hat, dass deine Beschenkte „hin und weg“ ist, dachte ich, sie würde mich meinen. Aber ich kann sehr gut verstehen, dass dein Pferdchen auch sehr gut angekommen ist.
      Liebe Grüße
      Carmen

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