Stoffresteverwertung: Patchwork-Kissen mit Schnur

Ihr Lieben,

wie bereits im vorletzten Beitrag geschrieben, bin ich unverhofft zur Nähkursleiterin geworden. Eine Freundin einer Nachbarin hat vor sechs Jahren zusammen mit einer anderen Freundin das Kunstatelier MalMal in Köln-Lövenich gegründet und weil die bisherige Nähkursleiterin keine Zeit mehr hatte, neben ihrem Job auch noch im Kunstatelier zu arbeiten, wurde eine neue Nähkursleiterin gesucht. Zufällig hatte ich meiner Nachbarin auf einem unserer gemeinsamen Spaziergänge erzählt, dass ich mir gut vorstellen könnte, Nähkurse zu geben, dass mir bei uns im Haus aber ein passender Raum dafür fehlt. In meinem Nähzimmer habe ich selbst ja manchmal meist nicht genug Platz. Ihr kennt das vielleicht.

Außerdem gibt es vor unserem Haus auch nur Anwohnerparkplätze und  eine eingeschränkte Parkzeit mit Parkschein, und niemand möchte schwere Nähmaschinen unnötig weit durch die Gegend tragen, denn die Nähkursteilnehmer, die eine eigene Maschine haben, bringen diese meist auch mit.

Jedenfalls bin ich durch die Vermittlung meiner Nachbarin nun seit Mai Nähkursleiterin. Weil das Kunstatelier sein 6-jähriges Bestehen feiert, gibt es am Samstag (11.6.) von 11-16 Uhr ein offenes Atelier mit verschiedenen Workshops und Kinder-Kunst-Ausstellung. Ihr seid herzlich eingeladen, vorbeizukommen. Weiteres erfahrt ihr auf der Homepage des Kunstateliers.

Falls ihr an diesem Tag keine Zeit habt, ihr aber trotzdem einmal sehen wollt, wo und wie ich arbeite, könnt ihr auch gerne an einem anderen Tag zu Besuch kommen oder in einen der Nähkurse reinschnuppern. Kontaktiert mich vorher aber bitte.

Auf Nachfrage eröffne ich auch gerne neue Kurse, soweit dies zeitlich möglich ist.

Nicht nur meine Vorgängerin, sondern auch eine weitere Frau hat keine Zeit mehr, in dem Kunstaltelier zu arbeiten. Bei ihrem Auszug wollte sie eine ganze Tüte Stoffreste und Stickereien in den Müll werfen. Zum Glück habe ich sie vorher gefragt, ob sie mir die schönen Stickereien nicht für die Kinder in meinen Nähkursen überlassen kann, denn die freuen sich bestimmt, wenn sie etwas damit verschönern können. Da wusste ich noch gar nicht, dass in der Tüte auch jede Menge schöner Stoffreste waren.

Zuhause habe ich erst einmal gesichtet, was eigentlich alles entsorgt werden sollte. Hier seht ihr nur eine kleine Auswahl:

roetsch-bunte-Stoffreste
Wunderschöne Stoffreste, die meines Erachtens doch viel zu schade zum Wegwerfen sind. Weil viele Reste schon zerschnitten waren, habe ich sie alle erst gerade zugeschnitten, um sie weiterverarbeiten zu können. Das hat einen Abend gedauert.

Viele der Reste waren wirklich sehr klein und deshalb beschloss ich, ein Patchwork-Kissen daraus zu nähen. Ursprünglich wollte ich ein kunterbuntes Kissen nähen, aber meine kleine Tochter meinte, ich solle die Farben etwas ordnen und so habe ich erst einmal ein Kissen in Blautönen genäht. Damit es nicht zu langweilig und kalt aussieht, habe ich einige wenige rote Stoffe eingenäht. Irgendwann folgt dann hoffentlich auch noch ein rotes Patchwork-Kissen, Stoffe gibt es ja noch genug, wie ihr sehen könnt.

roetsch-Patchwork-Kissen-in-Blautoenen-beim-Entstehen

Beim Nähen bin ich inspiriert von Mila völlig planlos vorgegangen. Manche Stoffe habe ich beim Zusammennähen auch noch einmal durchgeschnitten, damit ich sie mehrfach einnähen konnte. Wenn irgendwo noch eine Lücke war, habe ich eben noch einige Schnipsel eingenäht. Die einzige Vorgabe, an der ich mich orientiert habe, war das Kissenmaß (50x60cm).

roetsch-Patchwork-Kissen-aus-blauen-und-roten-Stoffresten-vor-Fertigstellung
Während des Nähens mussten natürlich alle Nahtzugaben auseinander gebügelt werden. Weil ich auf einer alten Singer 216 G, die mir eine liebe Nachbarin geschenkt hat, im Wohnzimmer genäht habe (dafür ist in meinem Nähzimmer nun wirklich kein Platz mehr und ich stelle sie bald ins Atelier), habe ich mir das Bügeleisen und eine „Pressing Station“ nach unten geholt. Die ganzen Stoffschnipsel hätte ich in meinem Nähzimmer auch unmöglich ausbreiten können. Das Bügeleisen steht normalerweise im zweiten Stock, so viel Lauferei war mir dann aber doch zu viel. Mein Mann hatte mir sogar angeboten, das Bügelbrett nach unten zu tragen. Das habe ich dummerweise abgelehnt und mich später gewundert, woher ich solchen Muskelkater habe.

roetsch-mobile-Buegelstation--Quilt-Tasche
Alle Schnipsel lagen ja sowieso auf dem Fußboden, ebenso die Schneidematte, da war es mir ganz recht, dass ich auch auf dem Boden bügeln konnte. Die „Pressing Station“ ist übrigens teil einer Quilt-Tasche, die ich mir in Amerika gekauft habe. Auf die andere Seite passen eine kleine Schneidematte und Schneidelineale und dann gibt es noch etliche Fächer für Rollenschneider, Scheren usw. Sehr praktisch, vor allem, wenn man unterwegs ist und sehr zu empfehlen.

roetsch-Pressing-Station---Quilt-Tasche
Wie ihr sehen könnt, war es mir egal, ob die Nähte nun überall zusammentreffen oder nicht. Ich hatte die Stoffe ja in unterschiedlichen Maßen zugeschnitten, so groß, wie es irgendwie möglich war und ich wollte so wenig wie möglich abschneiden.

roetsch-Patchwork-Kissen-im-Entstehen
Meiner Meinung nach macht das Ungeordnete sogar das Besondere dieses Kissens aus.

roetsch-Detailansicht-Patchwork-Kissen-noch-ohne-Schnur
Für die Rückseite gab es bei den Stoffresten ein ganzes größeres Stoffstück, das farblich perfekt passte. Aus meinem Labelvorrat habe ich auch ein farblich passendes gefunden und aufgenäht.

roetsch-gesticktes-Kunstlederlabel-auf-Patchwork-Kissen
Geschlossen wird das Kissen mit einem unten eingenähten Reißverschluss. Für eine andere Verschlussvariante hätte ich dann auch nicht mehr genug Stoff gehabt.

roetsch-Reissverschluss-Patchwork-Kissen-in-Blautoenen
Ich hatte vor dem Zusammennähen überlegt, ob ich noch etwas auf die Vorderseite sticken soll, mich dann aber dagegen entschieden und beschlossen, lediglich eine Schnur aufzunähen, die ich vor langer Zeit bei Alfatex in Köln gekauft habe.

roetsch-Schnur-an-Patchwork-Kissen-naehen
Wie man das macht, habe ich euch bei meinem ersten Kissen mit Schnur ja schon einmal erklärt. Für zarte Hände ist das keine angenehme Arbeit, mein Finger hat auch etwas gelitten:

roetsch-Finger-nach-dem-Annaehen-einer-Schnur-an-Kissen
Auch ohne Schnur sah das Kissen meiner Meinung nach schon gut aus.

roetsch-Patchwork-Kissen-in-Blautoenen-noch-ohne-Schnur
Mit Schnur gefällt es mir aber noch besser.

roetsch-Patchwork-Kissen-mit-Schnur
Zum Glück war heute auch mal wieder schönes Wetter, sodass man es sich draußen gemütlich machen konnte.

roetsch-Patchwork-Kissen-in-Blautoenen-auf-blauer-Cashmere-Decke-im-Garten
Meine jüngste Tochter hat mich gefragt, was ich mit dem Kissen mache. Das weiß ich ehrlich gesagt selbst noch nicht, momentan freue ich mich einfach, dass ich aus vielen kleinen Stoffresten, die im Müll landen sollten, etwas Schönes genäht habe.

roetsch-Patchwork-Kissen-in-Blautoenen-auf-Bank-im-Garten
Das Nähen eines solchen Kissens ist übrigens nicht schwer, aber man muss schon viel Zeit dafür einplanen, besonders, wenn man auch noch eine Schnur aufnähen möchte. Insgesamt habe ich ca. eineinhalb Tage daran gearbeitet.

Heute Morgen durfte das Kissen gleich mit zur Arbeit kommen.

roetsch-Patchwork-Kissen-auf-Schneidetisch
Dort habe ich heute schon wieder einen tollen Stoff geschenkt bekommen. Auch gestern hat meine Nachbarin mich mit einer wahnsinnig schönen selbst gestickten Borte beschenkt und überhaupt komme ich gar nicht hinterher, euch all die schönen Sachen zu zeigen, die ich in den letzten Monaten geschenkt bekommen habe.

Wenn ich es schaffe, zeige ich euch diese Woche erst einmal meine Weihnachtspost und nach und nach dann alles andere.

Was macht ihr eigentlich mit euren Stoffresten? Entsorgt ihr sie oder hebt ihr sie auf, um irgendwann doch noch etwas daraus zu nähen?

Liebe Grüße
Carmen

verlinkt mit Tophill Kissen-Party

12 Gedanken zu „Stoffresteverwertung: Patchwork-Kissen mit Schnur

  1. Hallo Carmen, ich finde das Kissen einfach toll! Das ist „richtiges“ Patchwork! Resteverwertung , aber trotzdem mit Design! Ich glaube, Deine Nähkursteilnehmerinnen werden von dieser/Deiner Kreativität sehr profitieren! Schade, dass ich so weit weg von Köln wohne – ein paar solche lockere Anregungen täten meinem Patchworknähen auch gut!
    Gruß! Herma

    • Danke, so ein Lob von einer echten Patchworkerin zu bekommen, ist schon toll. In den Nähkursen geht es meist erst einmal um die Basics, wie Einfädeln und Geradeausnähen, für Kreativität ist da noch nicht so viel Zeit. Für viele ist das Geradeausnähen sehr schwierig. Bei vielen Maschinen lässt sich auch die Nadelposition nicht verstellen, das erschwert das gleichmäßige Absteppen ungemein. Aber ich hoffe sehr, dass einige etwas länger dabeibleiben und irgendwann auch herumexperimentieren werden.
      Liebe Grüße
      Carmen

  2. Wunderbar geworden. Deshalb heb ich ja auch jeden Rest auf, aber langsam wächst es mir über den Kopf…
    Was ich mit etwas größeren Jerseyresten mache, zeige ich morgen auch.
    LG
    Astrid

    • Liebe Astrid,
      wenn ich sehe, was du so alles nähst, bleibt mir ohnehin der Mund offen stehen. Dein Tag scheint mehr Stunden zu haben als meiner. Deine Jerseyresteverwertungen für das kleine M, die du bisher gezeigt hast, sind wunderschön und sehen gar nicht nach Resteverwertung aus. Dein Stofflager scheint allerdings noch größer zu sein als meins.
      Herzliche Grüße
      Carmen

  3. Hallo Carmen!!
    Schön, dass du jetzt Nähkurse leitest. Das kann ich mir für dich, mit deiner strahlenden und herzlichen Art wirklich gut vorstellen.
    Wenn ich nicht so weit weg wohnen würde, wäre ich bestimmt in einem deiner Kurse.
    Das Kissen sieht total toll aus! Ich bin begeistert, was du so alles aus ein paar Stoffresten zaubern kannst. Die Idee mit der Kordel ist klasse, so wirkt das Kissen noch edler. Es hat irgendwie ein bisschen was vom Landhausstil.
    Ich sammle fleißig alle Stoffreste in Kartons und habe bisher schon Kissen und die Bettschlange daraus genäht.
    Auch habe ich schon mal einen kompletten Karton im Onlineauktionshaus versteigert und davon neue Stoffe gekauft?
    Ganz liebe Grüße
    Silvia

  4. Solche Finger kenne ich auch gut. Da gibt es so aufklebbare Plastikplättchen. Ja, ich weiß, Plastik. Aber wenn man länger an einem Stück arbeiten kann, dann sind die Dinger echt nützlich. Kleben wie die Pest. Meine Resteverwertung hast Du ja beim Tucker gesehen. Ich habe gerade den 2.ten in Arbeit (habe 2 Glastische) und vielleicht mache ich auch noch einen Tischläufer. Die Quadrate sind nur 1inch groß, also ein ordentlicher Prünkram.
    Aber Dein Kissen ist auch ne gute Lösung. (Wenn man doch nur nicht so geizig wäre) LG Birgitt

    • Liebe Birgit,
      meine kleinsten Reste habe ich auch nur einen Inch groß zugeschnitten. Aber wie man sieht habe ich davon nur einige wenige eingenäht. Du hast ja eine Engelsgeduld, dass du aus so kleinen Stückchen gleich ein ganzes Teil nähst. Deinen Tucker habe ich mir vorhin noch einmal angeschaut. Mit Geiz hat das glaube ich gar nicht so viel zu tun, dass man aus so kleinen Stückchen noch etwas nähen will, sondern eher mit der Freude, die man hat, wenn man sieht, was daraus geworden ist. Aufklebbare Plastikplättchen habe ich noch nie gesehen, nur Qulters Finger Grips, die ich mir dummerweise aber nicht gekauft habe. Wenn man viel mit der Hand näht, lernt man diese kleinen Helfer wahrscheinlich sehr zu schätzen.
      Liebe Grüße
      Carmen

  5. liebe carmen, ich bewundere ja immer alle, die so toll nähen können und noch aus dem kleinsten schnipsel schönes herstellen. dein kissen ist wunderschön geworden!
    zu deiner frage wg meiner schachteln: ich habe ja ein, zweimal im jahr eine ausstellung und verkaufe dort meine kleinen und größeren werke. ansonsten aber immer auch über meinen blog jederzeit. bei meinen pinterest bords rechts in meiner sidebar kannst du alle meine schachteln und kisten nochmal anschauen.
    liebe grüße, mano

  6. Liebe Carmen,
    das Kissen ist wunderschön! Übrigens bin ich seit Jahresbeginn auch bei den ‚Modern Cologne Quiltern‘. Wir würden uns freuen, wenn Du Deine Sachen auch bei Modern Patch Monday verlinkst, die neue Quilt-Link-Party am Montag!
    Liebe Grüße, Christiane

    • Liebe Christiane,
      danke für das Kompliment und für den Hinweis. Kann ich das Kissen noch verlinken oder muss es ein neuer Post am Montag sein?
      Liebe Grüße und hoffentlich bis bald mal wieder
      Carmen

  7. Dass das Kissen genau meinem Geschmack entspricht wird dich wohl kaum wundern. Genau solche Sachen mache ich ja öfter. Wie du heute ja bei mir auch gesehen hast.
    Ich bin ja direkt geschockt, dass jemand so eine Schatztüte wegwerfen wollte!
    LG Jennifer

    • Nein, das wundert mich nun wirklich nicht, wir haben da wohl einen ähnlichen Geschmack. Vielen fehlt glaube ich die Zeit und/oder die Geduld, um aus Resten noch etwas zu nähen. Bei mir stapeln sich auch überall Reste, die mir zu schade zum Wegwerfen sind, aber alles werde ich wohl kaum vernähen können, weil ich das zeitlich nicht schaffe. Man braucht zum Nähen solch kleiner Fetzen ja auch viel länger, da man erst einmal alles so zuschneiden und anordnen muss, dass es einem gefällt. Der Dom ist jetzt auch nicht mein Lieblingsmotiv, ich bin ja auch nur ein Kölner Immi, aber die Kölner lieben ihren Dom und ich war glaube ich noch in keinem Haus in Köln, in dem nicht mindestens ein Teil (Bild, Kissen, was auch immer) mit Dom drauf zu finden war.
      Der Mako-Satin-Stoff glänzt immer so schön und ich mag Mako-Satin-Bettwäsche. Auch diese Reste konnte ich nicht einfach so entsorgen (und da ich schon viel Bettwäsche genäht habe, habe ich auch noch viele Reste). Zwei kleine Schnipselchen Bettwäschestoff habe ich mir gestern sogar in ein neues Top genäht. Wenn ich es schaffe, zeige ich es morgen. Vorher muss ich es leider noch waschen, da man meine Kreidemarkierungen noch sieht.
      Liebe Grüße
      Carmen

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