Alte Kleidung-neue Kissen: Ein Upcycling-Projekt mit Karin von Lockwerke

Vor einigen Wochen erhielt ich eine Anfrage, ob ich aus alter Kleidung neue Kissenbezüge nähen könnte. Weil ich selbst bei mir auch noch sehr viele alte Kleidungsstücke herumliegen habe, die darauf warten vernäht zu werden, wollte ich erst nicht so recht zusagen. Dann dachte ich aber, dass das doch ein schönes Projekt wäre, das ich gemeinsam mit meiner Freundin Karin von Lockwerke umsetzen könnte und Upcycling finde ich ja ohnehin toll. Karin sagte spontan zu und wir trafen uns zwei Tage lang, um aus einem Teil dieses Kleiderhaufens einzigartige Kissenbezüge zu zaubern.

Insgesamt sollten vier Kissenbezüge genäht werden und bestimmte Teile sollten auf jeden Fall Verwendung finden. Dieses T-Shirt und die Baumwoll-Tasche, die ihr daneben liegen sieht, waren z.B. auserwählt, ein zweites Leben als Kissenhülle zu erhalten,


ebenso diese argentinische Weste, die ich vor dem Zuschnitt schon einmal aufgetrennt habe.

Wenn man einen Berg Stoff vor sich liegen hat, ist es gar nicht so einfach sich vorzustellen, was später wie aussehen könnte, nachdem man Teile auseinandergeschnitten und wieder zusammengestückelt hat. Aber wer Karin kennt, der weiß, dass sie eine blühende Phantasie hat und die Ideen sprudelten nur so aus ihr heraus. Ich zumindest wäre niemals auf die Idee gekommen, einen BH für eine Fuchskopf-Applikation zu verwenden. Ihr etwa?


Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass wir schon bei den Vorüberlegungen sehr viel Spaß hatten. Das Nähen selbst war teilweise schon etwas mühsam, aber mit viel Geduld und einigen Hilfsmitteln wie Heat’n Bond Lite Iron-on Adhesive und S 320 ging es. Den Fuchs-Kopf hat Karin nämlich auf einen Teil eines sehr dehnbaren Strickkleides appliziert, ohne Einlage hätte sich der Stoff total verzogen. Als Grundlage für den Kopf diente ein Teil dieser Weste.


Damit der BH noch besser zur Geltung kommt, hat sie ein Paspelband aus meinem Vorrat eingenäht, ebenso an den Ohren, die aus Teilen des restlichen BH’s bestehen. Als I-Tüpfelchen gab es noch ein wenig Nähmalerei, die Karin liebt und die typisch für ihren Lockwerke-Stil ist, und ein paar Knopfaugen.

Die Rückseite nähten wir einfach mit einem weiteren Rest des Strickkleides und ließen diesen bis auf ein aufgenähtes Label aus LKW-Plane bewusst ganz schlicht.

Während Karin mit der Fuchs-Kopf-Applikation beschäftigt war, stückelte ich einige Jeans-Stoffe um die Baumwoll-Tasche herum. Karin hatte die geniale Idee, doch mehrere Taschen dabei einzunähen. So kann man prima die Fernbedienung, das Handy, Taschentücher oder was auch immer darin verstauen.


Um eine solche Tasche zu nähen, legt man einfach den vorderen Stoff ein Stück weit doppelt, so weit, wie man eben die Tasche haben möchte.

Hier seht ihr die Vorderseiten der fertig genähten Kissenbezüge. Die Jeanshosenbeine haben wir so zerschnitten und zusammengenäht, dass linkes und rechtes Bein und die jeweils dortige Waschung gleichmäßig verteilt sind. Teilweise haben wir auch die Rückseite nach außen genäht, um etwas Abwechslung zu erhalten. Die Farben der anderen Jeanshosen haben aber auch nicht so gut zu der Farbe der von uns verwendeten Hose gepasst.

Auf der Rückseite wurde außer Jeans auch noch ein schwarzer Baumwollstoff eingenäht, der einmal ein Gürtel eines Kleides war. Weil die schwarzen Streifen versetzt sind und ich alles mit der Overlock zusammengenäht habe, damit später nichts ausfranst, musste ich immer mehrmals zum Nähen ansetzen. Das war etwas mühsam, hat sich aber unserer Meinung nach voll ausgezahlt.

Selbst die Label wurden bei diesen Kissen upgecycelt. Für das Jeans-Patchwork-Kissen habe ich das Leder-Label der Jeans mit meinem Namen bestickt und es anschließend gemeinsam mit Karins Label aufgenäht. Beim Fuchs-Kissen ist Karins Label in die Seitennaht eingenäht, sodass es auch von vorne sichtbar ist und auf der Rückseite befindet sich ein Stückchen schwarzer LKW-Plane mit meinem Namen, das ich bestickt und aufgenäht habe.


Geschlossen werden beide Kissen mit einem Reißverschluss. Mein Sohn wunderte sich erst etwas über den eingenähten BH, irgendwann meinte er dann aber, er wisse jetzt, warum wir den BH verwendet hätten, denn das Kissen wäre ja gleichzeitig ein Nackenhörnchen.

Die Ideen für die restlichen zwei Kissen waren auch schnell gefunden. Der Stoff der argentinischen Weste gefiel uns beiden so gut, dass wir ihn nicht zerstückeln wollten und deshalb haben wir die Vorderseite einfach komplett aus der Weste genäht. Sehen die eingewebten Köpfe nicht wie Fuchsköpfe aus?

Jetzt mussten wir also nur noch ein Kissen mit dem schwarzen T-Shirt planen und nähen. Da das Kissen um einiges größer als das T-Shirt werden sollte, blieb uns nichts anderes übrig, als anzustückeln. Das Motiv des T-Shirts motivierte uns, dabei mutig zur Sache zu gehen und so fanden sich Teile eines roten Kleides samt Tüll (auch vom Kleid) als Rahmen um das T-Shirt herum. Wir entschieden uns für das rote Kleid, weil es gut zum Rot der anderen Kissen passte.

Farblich passend zum Plotteraufdruck des T-Shirts nähten wir für die Rückseite zwei Jeanshosen im schrägen Streifenlook offenkantig aneinander und fransten sie später aus. Der wilde Fransenlook passt unserer Meinung nach gut zu der etravaganten Dame auf dem T-Shirt.


Weil ich dachte, die Stoffe würden beim Waschen ausfransen, habe ich sie extra nach dem Zusammennähen noch einmal gewaschen. Viel genützt hat das nicht und wir mussten sie doch mit Hand ausfransen. Eine meditative Angelegenheit. Auch für dieses Kissen habe ich wieder ein altes Label einer der Jeanshosen mit meinem Namen bestickt und gemeinsam mit Karins Label aufgenäht.

Die Rückseite des Kissens aus der argentinischen Weste haben wir dann schlicht mit dem Rest des T-Shirts und einem schmalen Streifen des Westenstoffs zusammengenäht.


Hier seht ihr beide Rückseiten noch einmal nebeneinander.


Als die Kissen dann fertig waren und es endlich einmal aufhörte zu regnen, lud ich sie in meinen Fahrrad-Anhänger und fuhr zu diesen Heuballen, um ein paar schöne Fotos zu machen.


Wie ihr auf diesem Bild am Tüll sehen könnt, war es war ganz schön windig (und es dauerte nicht lange und fing schon wieder an zu regnen).


Zum Glück zeigte sich aber auch kurz die Sonne und ich konnte in Windeseile diese Bilder machen.

Karin und ich sind jedenfalls ganz begeistert, wie gut die Kissen zusammenpassen. Da man Vorder- und Rückseiten beliebig verwenden kann,

hat man genügend Abwechslung bei ihrem Anblick.

Inzwischen liegen sie längst nicht mehr bei uns, sondern bei der Frau, deren Kleidung wir vernäht haben. Sehr erleichtert waren wir, dass ihr die Kissen auch gefallen, denn beim Upcycling weiß man ja vorher meist nicht, wie etwas hinterher aussieht.

Vielleicht regt euch unser Kissen-Projekt ja an, auch einmal alte Kleidung zu vernähen, statt sie in den Müll zu werfen. Die Mühe lohnt sich unserer Meinung nach auf jeden Fall und ihr werdet mit einzigartigen Unikaten mit Erinnerungswert belohnt.

Liebe Grüße
Carmen

PS: Karin, ich danke dir für deine großartige Unterstützung und freue mich auf weitere gemeinsame Projekte.

verlinkt mit Creadienstag

8 Gedanken zu „Alte Kleidung-neue Kissen: Ein Upcycling-Projekt mit Karin von Lockwerke

    • Danke dir, liebe Susanne. Gemeinsam zu arbeiten macht einfach Freude, aber das weißt du ja. Es wäre schön, wenn wir auch einmal mit dir zusammen etwas umsetzen könnten.
      Liebe Grüße
      Carmen

  1. Eure Kissen sind toll geworden! Bei mir wird aus alter Kleidung meist neue Kinderkleidung. Nur sind die Mädels schon so eigen – da macht das selber nähen oft keinen Spaß mehr. Kleinteilige Schnittmuster gehen aber auch für Große sprich mich 😉

    LG
    Martina

    • Liebe Martina,
      gespannt habe ich schon auf einen Post von deinem Weihnachtskleid gewartet, aber mit Baby kommst du momentan wohl nicht zum Bloggen. Schaffst du es zu nähen? Irgendwann werden die Kinder leider eigen und wollen nichts Selbstgenähtes mehr anziehen. Bei meiner kleinen Tochter war das in der fünften Klasse der Fall. Vorher hat sie gar keine gekauften Hosen angezogen, aber plötzlich fand sie die zuvor geliebten Sachen von mir uncool. Bin gespannt, wann sie merkt, dass es genau umgekehrt ist.
      Liebe Grüße
      Carmen

  2. Liebe Carmen,
    ach unsere beiden Posts passen wirklich genauso super zusammen, wie auch die Kissen ;-))). Ich gestehe, ich habe bewusst deinen Beitrag nur bis zur Hälfte gelesen, weil ich bisher nur den ersten Teil der Kissen beschrieben habe. Die Couch hat mich dann doch zu sehr gerufen ;-))). Morgen lese ich dann den zweiten Teil. Mir hat das gemeinsame Nähen auch sooo viel Freude bereitet und ich freue mich sehr, wenn wir noch viele weitere Projekte zusammen kreieren. Vielen Dank (auch für die schönen Fotos, die du mir zur Verfügung gestellt hast) ganz liebe Grüße auch an dich. Karin

    • Liebe Karin,
      auf jeden Fall müssen wir noch weitere Projekte zusammen umsetzen. Deinen ersten Beitrag habe ich schon gelesen, nun warte ich gespannt auf den zweiten.
      Herzliche Grüße
      Carmen

  3. Liebe Carmen,
    haha…das kann ich mir vorstellen, dass dein Sohn sich über ein so behagliches Nackenhörnchen gefreut hat!
    Die Kissen sind toll geworden, wirklich wunderschön, die sprudeln ja nur so vor Kreativität. Ihr habt ja anscheinend auch eine tolle Zeit zusammen gehabt, du und Karin, wie schön!
    Liebe Grüße von Christina

    • Liebe Christina, wir haben das Kissen ja leider nicht behalten, mein Sohn hat also gar nichts davon. Aber er hat sich mit meiner Hilfe drei Leseknochen genäht, da ist er gut mit Nackenhörnchen versorgt. Die Zusammenarbeit mit Karin war wirklich toll und hat viel Spaß gemacht. Vielleicht schaffen wir irgendwann ja auch nochmal ein Treffen zu dritt. Würde mich sehr freuen.
      Liebe Grüße
      Carmen

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