Blau-weißes Etuikleid mit Paspeln und Nahttaschen

Vor einigen Wochen habe ich mal wieder einige Kauf-Kleider anprobiert und festgestellt, dass ich einfach keine Kleiderfigur habe. Entweder sahen die Kleider an mir aus wie ein Sack oder sie waren für meine Brustweite zu weit, für meine Beine zu kurz  oder sahen einfach insgesamt nicht gut an mir aus. Ein einziges Kleid gefiel mir ganz gut an mir, aber das war für den Geschmack meines Mannes zu gemustert und so habe ich gar keins gekauft. Das war bei Betty Barclay in Nußloch und enttäuscht musste ich feststellen, dass es dort inzwischen gar keinen Stoffverkauf mehr gibt. Stoff hätte ich zwar ohnehin keinen gekauft, aber die Nähzutaten, die es dort früher gab (Nähgarn, Knöpfe, Paspelband usw.), hätten mich schon interessiert.

Schon in Princeton hatte ich etliche Kleider anprobiert und keines passte, was mich schon damals etwas frustriert hat. Weil ich im Sommer aber auch gerne mal ein Kleid anziehen würde, habe ich mir in den letzten Wochen zwei sehr unterschiedliche genäht, ein Etuikleid, ein Jerseykleid.

Da ich schon befürchtete, dass mir auch das Etuikleid nicht stehen wird, habe ich es aus diesen drei billig in der Stoffecke in Münster-Wolbeck gekauften Stoffresten genäht:


Das Muster gefiel mir auf Anhieb und der Stoff fühlt sich sehr gut an.


Ich vermute mal, es handelt sich um einen elastischen Baumwollstoff. Mangels Etikett weiß ich es aber nicht genau.

Eigentlich wollte ich mir einen Rock aus den Resten nähen, aber beim Durchstöbern meiner Nähzeitschriften fiel mein Blick auf ein Etuikleid, das sich gerade so aus diesen Resten zuschneiden ließ. Die Reste reichten wirklich gerade so, und ich musste auch die beschrifteten Rückseiten und teilweise kleine Stückchen Webkante mit verarbeiten.

Von vorne sieht man die Schrift zum Glück nicht.


Es blieben einige kleine Reste übrig, die ich natürlich aufbewahrt habe.


Das Etuikleid setzt sich aus etlichen Einzelteilen zusammen, zwischen die teilweise ein Paspelband gefasst wird. Zum Glück habe ich noch jede Menge Paspelband von meinen früheren Einkäufen bei Betty Barclay und Rösch im Vorrat.


Damit das Paspelband beim Zusammennähen der Stoffe nicht verrutscht, nähe ich es immer zuvor auf einen der Stoffe fest. Zusammengenäht habe ich die Stoffe mit der Overlock und anschließend die Naht von außen noch einmal festgesteppt.


Die Taillen-Naht  habe ich nur versäubert und dann mit einem Dreifach-Geradstich genäht, damit die Stiche halten und die Naht nicht aufträgt.


Den Saum habe ich mit der Overlock versäubert und anschließend mit Handstichen festgenäht. Das ist zwar etwas mühsam, sieht aber einfach schöner aus, wie ihr auf diesem etwas unscharfen mit dem Handy aufgenommenen Selfie vielleicht sehen könnt.


Ungewöhnlich für ein Etuikleid sind die im Schnitt vorgesehenen Nahttaschen, die ich sehr praktisch finde.

Leider war auch dieses Kleid mir viel zu weit und ich musste zwei zusätzliche Abnäher einfügen. Das hat mich selbst überrascht, denn ich habe es in Größe 38 zugeschnitten, die mir bei Oberteilen normalerweise passt. Hier hätte Größe 36 aber auch gereicht. Vielleicht liegt es auch am elastischen Stoff. Jedenfalls wirft das Kleid ein paar unnötige Falten.

Sollte ich das Kleid also noch einmal nähen, dann eine Nummer kleiner. Beim oben erwähnten Jerseykleid habe ich das auch so gemacht und siehe da, es passt. Das zeige ich euch aber ein anderes Mal.

Beim Nähen wünsche ich mir immer eine Schneiderpuppe, denn ob ihr es glaubt oder nicht, eine Schneiderpuppe für meine Größe habe ich nicht. Mein Mann hat mir zwar mal eine Schneiderpuppe geschenkt, aber leider einige Nummern zu groß, so dass ich  rein gar nichts damit anfangen kann. Auf der h+h habe ich tolle Schneiderpuppen entdeckt, leider sehr, also richtig teuer. Aber sicher ihr Geld wert. Darüber berichte ich euch, wenn ich es einmal schaffe, meinen h+h-Bericht zu schreiben.

Tragt ihr gerne Kleider?

Liebe Grüße
Carmen

6 Gedanken zu „Blau-weißes Etuikleid mit Paspeln und Nahttaschen

  1. Dein Kleid gefällt mir sehr gut. Ich erinnere mich an den Schnitt in der Burda. Dass die Nahttaschen einbauen ist selten. Und so schön die Teilungsnähte sind – anpassen ist da nicht so ganz einfach vermute ich.
    Im Sommer trage ich sehr gerne Kleider – nur sind die meisten meiner Kleider nicht stilltauglich und da denke ich manchmal erst dran wenn ich es schon angezogen habe.
    Letztes Weihnachten habe ich mir eine günstige Schneiderpuppe geschenkt. Allerdings bringt so ein Normteil zum Anpassen eigentlich garnichts. Das mache ich trotzdem an mir. Helfende Hände, also große Mädels wie Deine oder eine Nachbarin sind da schon besser. Oder man passt sich die Puppe an bzw. bastelt sich selbst eine. Aber auch das geht nicht alleine.
    Schade dass der Stoffverkauf in Nussloch nicht mehr ist. Ich hoffe dass das für Arnstorf nicht auch gilt. Dort ist nur 2 mal im Jahr Stoffverkauf. Im Frühjahr war leider eins meiner Mädels krank, also hab ich mehr „Budget“ im Herbst (ca. Oktober) ;-).
    Wenn Du genaueres über Deinen Stoff wissen willst, kuck mal hier: http://nahtzugabe.blogspot.de/2017/04/wie-funktioniert-eine-brennprobe.html

    Liebe Grüsse,
    Martina

    • Liebe Martina,
      bei diesem Kleid wäre das Anpassen wirklich schwierig gewesen. Ich hätte von Anfang an alles kleiner zuschneiden müssen. Später konnte ich in der Mitte des Vorderteils ja keine Weite mehr rausnehmen. Dass eine genormte Schneiderpuppe beim Anpassen nicht viel bringt, habe ich schon häufiger gelesen. In Amerika habe ich mir damals eine Duck-Tape-Puppe gemacht, so toll fand ich sie aber nicht. Ich überlege, ob ich mir mit Hilfe meines Mannes nicht einen Gipsabdruck fertige (von meinen Schwangerschaftsbäuchen habe ich auch welche), den ich dann als Form verwende. Helfende Hände fehlen mir hier. Meine große Tochter ist ja schon ausgezogen und die anderen sind keine wirkliche Hilfe. Nicht einmal beim Messen. Einmal wollte ich mich von einer gelernten Bekleidungstechnikerin ausmessen lassen, aber da sie schon jahrelang aus dem Beruf heraus war, hatte sie auch nicht mehr viel Ahnung, wo man was misst.
      Danke für den Link. Bei Lucy schaue ich auch immer wieder gerne vorbei. Dank ihr hab ich auch schon mal eine Ausstellung einer Textilkünstlerin in Spandau im Gotischen Haus besucht.
      Liebe Grüße
      Carmen

  2. Wow, liebe Carmen, das sieht so toll aus. Ich hoffe du nimmst dieses tolle Kleid morgen mit nach Berlin, damit ich es so richtig an dir bewundern kann. Bin gerade meine Taasche am packen und schreibe nebenbei einen Post. Vielleicht wollen sich ja noch einige Blogger mit uns auf der Textil Art treffen. Bis morgen und herzliche Grüße sendet dir Karin

    • Liebe Karin, das Kleid kommt sicher nicht mit. Vielleicht das Jerseykleid. Ich hab noch nichts gepackt, ärgere mich gerade über meine Stickmaschine, die nur fehlerhaft stickt. Auf morgen freue ich mich aber schon.
      LG Carmen

  3. Mir gefällt das Kleid auch sehr gut. Schade wegen der Falten. Ich glaube allerdings nicht, dass das an der Weite liegt, sondern eher an der Länge des Oberteils. Steck den Rock doch einfach mal höher. Versuch macht klug. Wenn es nicht klappt, dann schreib mir es bitte. War in letzter Zeit i-net-faul. Les aber immer noch gern bei Dir mit. Liebe Grüße, Birgitt

    • Liebe Birgitt, du bringst mich auf eine Idee. Das mit dem Höherstecken ist nicht so einfach, weil hinten ein nahtverdeckter Reißverschluss durch Ober- und Rockteil in einem durchläuft. Aber wenn ich den RV heraustrenne und das Oberteil abnehme, kann ich das Unterteil vielleicht zu einem Rock umarbeiten. Ich freue mich, dass du immer noch gerne mitliest und auch noch kommentierst. Wenn ich bei dir/euch kommentieren will, bekomme ich immer Ärger mit meiner Mailadresse, weil ich bei wordpress.com dieselbe verwendet habe. Kommentieren kann ich wohl erst wieder bei dir, wenn ich meine Mailadresse ändere. Deshalb hier der Kommentar, den ich dir eigentlich auf deiner Seite schreiben wollte:
      Wunderschön, war ja auch nicht anders zu erwarten. Auf der Textilen Art Berlin habe ich häufiger an dich denken müssen, denn dort wurden auch etliche Quilts gezeigt. Nächstes Jahr werde ich vermutlich wieder hinfahren, vielleicht hast du ja auch Lust? Wie schaffst du es, nebenbei mit Hand noch einen ganzen Bettüberwurf zu nähen? So viel Fernsehen kannst du doch gar nicht gucken.
      Liebe Grüße
      Carmen

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