Nach der h+h ist vor der h+h: Eindrücke von der h+h Cologne 2017

Bereits in acht Monaten findet die nächste h+h Cologne statt, und zwar vom 23. bis 25. März 2018. Da wird es Zeit, euch endlich einmal von meinem diesjährigen Besuch dort zu berichten. Wie in den vergangenen Jahren (u.a.hier und hier berichtet) so habe ich auch in diesem Jahr die Gelegenheit genutzt und die Internationale Fachmesse für Handarbeit und Hobby, die h+h Cologne besucht. Anders als in den letzten Jahren habe ich mich diesmal aber nicht allein, sondern in Begleitung von Karin von Lockwerke auf den Weg gemacht. Bei Karin  findet ihr übrigens auch einen ausführlichen Bericht mit schönen Fotos über unseren gemeinsamen Messebesuch.

Neben 432 Ausstellern aus 42 Ländern gab es etliche Workshops, Interviews auf dem talk-Sofa, Sonder- und Modenschauen und Ausstellungen. Alles konnten wir uns nicht ansehen und anhören, aber wir kamen doch voller Inspiration wieder nach Hause.

Auch in diesem Jahr konnten die Besucher sich wieder über ein gehäkeltes Tipi freuen, diesmal über das von Anne Chrochette geleitete Gender-Tipi-Projekt aus Brüssel. Insgesamt umfasst diese Tipi-Gruppe weltweit über 400 Mitglieder. Hier könnt ihr euch anschauen, woher die einzelnen Tipi-Quadrate kommen, die in Brüssel gesammelt und zusammengefügt wurden. Und auf der Seite von Ute Lennartz-Lembeck findet ihr weitere Tipis und Informationen darüber.

Kein weltweites, aber ein nicht minder erwähnenswertes Projekt ist das Stickprojekt Laghmani, über das Pascale Goldenberg in ihrem Buch „Fäden verbinden“ einen Zwischenbericht gibt. Es handelt sich um ein Projekt der Deutsch-Afghanischen-Initiative e.V. Freiburg, das afghanischen Frauen durch den Verkauf ihrer Stickereien eine Verbesserung ihrer finanziellen Situation ermöglicht und ihnen Wertschätzung und Selbstvertrauen gibt.

Die jeweils 8cm mal 8cm großen Quadrate können auf gudulsi.com  angeschaut und sofern noch vorhanden gekauft werden. Dort finden sich auch viele Verarbeitungsbeispiele, die zeigen, wie die kleinen Kunstwerke von Menschen außerhalb Afghanistans in Textilwerke integriert wurden. Beim Besuch der h+h war mir gar nicht klar, dass man die Stickereien auch käuflich erwerben kann, da ich dachte, es würde sich um eine reine Ausstellung handeln.


Weil ich beim Schreiben dieses Beitrags aber etwas recheriert habe, bin ich nun schlauer. Wenn ihr also für euch selbst oder jemand anderen auf der Suche nach einem individuellen Geschenk seid, mit dem ihr gleichzeitig etwas Gutes tun könnt, werdet ihr bei gudulsi sicher fündig.

Die von den afghanischen Stickerinnen verwendeten Garne werden von der in Freiburg ansässigen Firma Madeira gesponsert, was ich toll finde und deshalb hier auch gerne erwähne. Ich selbst wusste gar nicht, dass Madeira auch  Handarbeitsgarne herstellt. Seit Jahren sticke ich aber mit Madeira-Stickgarnen, da es diese früher auch beim Rösch-Stoff-Fabrikverkauf in Tübingen zu kaufen gab.

Zusammen mit der Deutsch-Afghanischen Initiative e.V. hatte Madeira zu dem Wettbewerb „Message (Botschaft)“ eingeladen, bei dem eine afghanische Stickerei in ein textiles Werk der Größe A4 oder A3 eingearbeitet werden und eine Botschaft vermittelt werden sollte.

Entstanden sind so tolle Werke wie z.B. diese:

Verwunderlich finde ich es, dass Madeira weder diesen Wettbewerb noch die afghanischen Stickprojekte auf der Homepage erwähnt. Dafür findet sich dort aber ein sehr schönes Stickfreebie von Kasia Hanack für eine Cable Clutch, das Karin und ich auf der h+h auch gleich einmal gestickt haben.

Fäden ganz anderer Art verbindet Andreas Möller mit seinem selbst gebauten Flying-8-Webstuhl.


Ich fand es faszinierend, ihm beim Weben zuzuschauen. Seine Schals zeigen, mit wie viel Liebe zum Detail Möller arbeitet und nicht umsonst hat er schon etliche Designpreise gewonnen.


Nach der Messe habe ich meinem Mann begeistert von den gewebten Schals von A. Möller erzählt und ihm diesen, den er sich selbst im Online-Shop ausgesucht hat, geschenkt.


Im Shop verkauft Möller nicht nur in Hamburg gewebte Schals und Handtücher aus Äthiopien, sondern auch den Bauplan für den von ihm entwickelten Webstuhl flying-8.

Wer es nicht ganz so professionell wie Möller angehen möchte, aber trotzdem Spaß am Weben hat, kann mit den Produkten von Clover sein Glück versuchen. Gewebt werden kann mit Wolle,

mit Perlen


oder mit Stoff:

Auch einer der Workshops widmete sich dem Handweben.

Im Workshopbereich trafen wir auf Anja Brinkmann, bekannt als Maki und Herausgeberin der Mollie Makes. Karin, die ein großer Fan der Zeitschrift ist, ließ es sich nicht nehmen die Gelegenheit zu nutzen und sich mit Anja fotografieren zu lassen und landete auch gleich in der nächsten Ausgabe. Hier hat sie davon berichtet.

Im Hintergrund seht ihr einige Pflanzen hängen, denn das Trendthema  „Urban Jungle – Indoor meets Outdoor“ wurde in diesem Jahr in einer Ausstellung aufgegriffen.


Der Kölner Dom macht sich doch gut zwischen den Kakteen.


Auch der mit Grannys umhäkelte Glasblumentopf gefiel mir.

Neben echten Kakteen zogen auch diese mit Hand gestickten am Stand von DMC meine Aufmerksamkeit auf sich.


Auch viele andere bei DMC gezeigten Stickereien gefielen mir sehr gut, z.B. diese:


Ebenso bewundernswert fand ich die Käsetheke von Madame Tricot.


Sehen die gestrickten Käse nicht zum Anbeißen aus?


Vielleicht können einige von euch sich noch an die von Madame gestrickte Metzgerei erinnern, die ich im letzten Jahr auf der h+h gesehen und fotografiert habe. Wer mag, kann sie hier noch einmal anschauen. Dort erfahrt ihr auch mehr über Madame Tricot.

Gestricktes ist jedes Jahr ein großes Thema auf der h+h Cologne. Bei der Trendmodenschau der Initiative Handarbeit konnten Besucher sich über neue Herbsttrends informieren.

Hier ein paar Impressionen:

Bilder der gesamten Modenschau findet ihr bei der Initative Handarbeit. Dort könnt ihr euch auch viele tolle Anleitungen zum Nähen, Stricken, Häkeln und Sticken herunterladen.

Unter anderem findet ihr dort auch Anleitungen zu den Herbst-Winterkollektionen der Jungdesignerinnen Merle Richter und Sandra Knüpfling, die beide als Siegerinnen aus dem ersten Wettberwerb der Initiative Handarbeit „Designer von morgen“ hervorgingen.



Außer dem Publikumsmagneten Trendmodenschau gab es so viel zu sehen, dass wir gar nicht alles an einem Tag geschafft haben.

An dem Stand von Odile Bailloeul konnten wir aber nicht einfach vorbeigehen, da er so farbenfroh und einladend gestaltet war. Die französische Designerin war auch vor Ort, aber leider konnte man am Stand nichts kaufen. Ihre sewing kits, die ihr auf dem zweiten Bild sehen könnt, eignen sich ganz besonders für Nähanfanger. Ich selbst hätte mir gerne einige Bordüren gekauft, um damit ein paar Taschen zu verschönern. Teilweise waren die Blumen der Bordüren der fertigen Taschen noch mit Handstickgarn nachgestickt, was unglaublich schön aussah (und leider auf dem Foto unten gar nicht zu sehen ist).

In diesem Jahr habe ich es auch nicht geschafft, die sicher interessanten Gespräche auf dem talk-Sofa zu verfolgen.

Um nichts zu verpassen, was einen interessiert, empfiehlt es, sich vorher zu informieren, was wann wo stattfindet. Teilweise muss man dann eben Prioritäten setzen, weil manche Events zeitgleich stattfinden.

Weil ich in Köln wohne und bequem mit der S-Bahn zur Messe fahren kann, bin ich auch noch ein zweites Mal ohne Karin zur h+h gefahren, um mir einige Stände genauer anzusehen, Bestellungen aufzugeben und Informationen einzuholen.

Wie ihr ja vielleicht wisst, habe ich keine Schneiderpuppe in meiner Größe. Der Stand von Kennett und Lindsell interessierte mich daher sehr.

Die hochwertigen Büsten gibt es in sehr vielen verschiedenen Größen und Formen für alle Altersklassen und Geschlechter, auch Maßanfertigungen und Reparaturen sind möglich. Schaut euch einmal die verschiedenen Modelle auf der Seite von Kennett und Lindsell an. Sogar Schneiderbüsten für Schwangere findet ihr dort. Man muss keine Standardmaße haben, um dort eine passende Büste zu finden, allerdings muss man bereit sein, viel Geld dafür auszugeben. Qualität hat eben ihren Preis.

Obwohl ich mir gerne eine Schneiderpuppe von K+L zum Geburtstag gewünscht hätte, habe ich aufgrund des Preises dann doch wieder Abstand davon genommen und mir inzwischen eine andere bei der Firma Härtel aus Stuttgart bestellt. Die Firma Härtel habe ich vor einem Jahr auf der h+h kennengelernt und bin seither zufriedene Kundin. Privat kann man dort aber leider nicht einkaufen.

Das Tolle an der h+h ist ja, dass man dort nicht nur viele Gleichgesinnte und häufig auch Bekannte trifft, sondern auch neue Firmen kennenlernen und sich deren Produkte anschauen kann.

Weil ich selbst gerne Taschen nähe, habe ich mir nicht nur am Stand von Union Knopf eine Spindelpresse samt Stanz- und Presswerkzeugen und Ösen bestellt (die ich euch hier bereits gezeigt hatte),


sondern mir auch einen Katalog der Firma stafil zusenden lassen. Auf der Messe waren alle Kataloge bereits vergriffen, was auf eine rege Nachfrage schließen lässt.

Gute Hardware und andere Nähzutaten zu finden ist ja gar nicht so einfach. Die Qualität der stafil-Produkte kann ich leider nicht beurteilen, da ich sie noch nicht verwendet habe, aber optisch gefielen mir einige.

Dass man aber auch aus Nichts etwas Schönes machen kann, bewies die sympathische Silke Bosbach mit ihrer Tape-Art.

Karin war so begeistert, dass sie sich einen online-Kurs von Frau Bosbach zum Geburtstag gewünscht hat. Auf ihrem Instagram-Account hat sie einige ihrer Übungen gezeigt (z.B. diese).

Natürlich gab es wie jedes Jahr auch viele schöne Stoffe und Stände zu sehen.

Wie erstmalig 2016 wurde auch in diesem Jahr das Thema Nachhaltigkeit aufgegriffen und einige wenige Firmen präsentierten ihre Waren auf der Sonderschaufläche „h+h cologne goes green!“

Ich bin sehr gespannt, wie sich dieser Bereich in Zukunft entwickeln wird. Achtet ihr bei euren Einkäufen darauf, woher die Produkte kommen und wie sie erzeugt wurden oder ist für euch der Preis ausschlaggebend für eine Kaufentscheidung?

Auch wenn es noch viel mehr zu sehen gab, lasse ich es hierbei bewenden und hoffe, die nächste h+h auch wieder in Begleitung von Karin besuchen zu können.

Mit Karin war ich vor einigen Wochen auch auf der Textilen Art Berlin. Ein Bericht darüber folgt.

Liebe Grüße
Carmen

 

 

 

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