Roter robuster Rucksack aus LKW-Plane

Schon vor sehr langer Zeit hat einer meiner Brüder mich gebeten, einen Rucksack aus LKW-Plane für ihn zu nähen. Farbe und Schnitt waren ihm egal und ich war bei der Umsetzung völlig frei. Weil ich noch nie zuvor einen Rucksack genäht habe und ich wollte, dass der Rucksack meines Bruders nicht gleich auf den ersten Blick selbstgenäht aussieht, habe ich einen billigen Rucksack im Discounter gekauft und diesen sowohl als Schnittvorlage als auch als Materiallager verwendet.

Den Außenstoff habe ich komplett durch rote LKW-Plane ersetzt,


den Netzstoff der Rückseite habe ich aber ebenso wie die Gurtbänder und Reißverschlüsse vom gekauften Rucksack übernommen. So sieht das meiner Meinung nach besser aus, vor allem, da ich nicht weiß, wo ich hier an einen solchen Netzstoff kommen soll.


Auch wenn das Auftrennen eines fertigen Kleidungsstücks oder einer Tasche oder eines Rucksacks mühsam ist, so hat es den Vorteil, dass man sieht, was wie genäht wurde und welche Stellen mit welchem Material verstärkt wurden.

Das Futter des gekauften Rucksacks habe ich komplett übernommen.


Auf der anderen Seite befindet sich ein Reißverschlussfach, das ich leider nicht fotografiert habe.

Das Nachnähen eines solchen Rucksacks kann ich nur bedingt empfehlen, denn man braucht nicht nur eine starke Nähmaschine (ich habe mit meiner alten Adler 69 genäht), sondern auch starke Nerven. Seht ihr meine Sammlung kaputter Nahtauftrenner? Vielleicht sollte ich mir mal einen von Kenneth D. King bestellen, die sehen robuster aus.


Ohne Bandeinfasser ist mir das Einfassband immer wieder beim Annähen verrutscht (oder der Faden ist gerissen) und ich musste unzählige Male wieder auftrennen. Letztendlich habe ich dann irgendwann einfach noch einmal über die Stellen genäht, die ich nicht sofort getroffen habe. Außer mir wird sich sowieso niemand diese Nähte so genau ansehen.


Weil ich momentan noch keinen Anschiebetisch habe, habe ich mir mit einem Stapel DVDs  zu helfen versucht. Das war semioptimal, da er immer wieder verrutscht ist. Ohne ihn konnte ich den Rucksack aber auch nicht wirklich bändigen. Das Nähen hat ganze zwei Tage gedauert, das sieht man dem Rucksack zwar nicht an, aber wer schon einmal LKW-Plane vernäht hat, der weiß, wie schwierig das sein kann, vor allem, wenn die Plane etwas dicker ist.

Mit dem Ergebnis bin ich aber trotz einiger schiefer und doppelter Nähte am Einfassband sehr zufrieden und ich finde es fast schade, den Rucksack nicht selbst behalten zu können, aber ich gebe ihn natürlich auch gerne her.

Von außen sieht man die schiefen Nähte zum Glück nicht.

Immerhin konnte ich den Rucksack schon einige Tage testen, denn ich hatte ihn mit in den Urlaub.


Gerade, wenn das Wetter mal nicht so toll ist, ist ein Rucksack aus LKW-Plane ein guter Begleiter.


Wir hatten aber insgesamt mit dem Wetter großes Glück und von ein paar Regentropfen lassen wir uns so schnell nicht abschrecken.


Inzwischen sind wir wieder zurück und der Alltag hat uns wieder. Erst eine kaputte Heizung und kein warmes Wasser beim Nach-Hause-Kommen, dann ein kaputtes Fahrrad-Schloss genau vorm Supermarkt, als ich unseren leeren Kühlschrank wieder mit Lebensmitteln versorgen wollte, Berge Wäsche, ein Garten, der sowieso immer Arbeit macht usw. Ihr kennt das sicher auch.

Heute kam endlich meine auf der h+h bestellte Schneiderpuppe an und ich freue mich schon sehr darauf, mit ihr zu arbeiten. Außer einer Jeans, die ihr auf dem Foto unten sehen könnt und die ich euch noch einmal genauer in einem anderen Beitrag zeige, habe ich in letzter Zeit keine Kleidung genäht.

Das wird sich hoffentlich bald wieder ändern. Stattdessen habe ich aber angefangen, Reste zu vernähen, doch auch davon ein anderes Mal.

Bis bald
Carmen

 

5 Gedanken zu „Roter robuster Rucksack aus LKW-Plane

  1. Den Rucksack hätte ich genau so auch gerne. Muss mal meine Taschensammlung durchkramen ob da was dabei ist das sich auftrennen und neu nähen lässt. Rot mag ich nämlich sehr gerne. Schafft Deine Overlock die beiden Kappnähte am Hosenzwickel? Das hält mich von Kappnähten immer ab – die Kreuzungsnähte. Bei Blusen mache ich auch nur die Schulternaht als Kappnaht, die Unterarm-Seitennaht normal.
    Liebe Grüsse,
    Martina

    • Der Rucksack ist so rot geworden, weil ich von dieser Plane noch genügend hatte. Die Plane war wieder ein Geschenk aus der Autosattlerei. Eigentlich wollte ich einen grünen Rucksack nähen, aber dafür haben meine Reste nicht gereicht. So gefällt er mir aber auch und meinem Bruder zum Glück auch. Meine Overlock schafft die Kappnähte am Hosenzwickel meist nicht, deshalb habe ich die Kappnaht diesmal mit einem Dreifachstich mit meiner Bernina genäht. Bei meiner ersten Jeans mit Kappnähten habe ich die Nähte mit der Overlock genäht, aber nachdem ich diesmal wieder jede Menge Fehlstiche hatte, hatte ich keine Lust mehr, ständig aufzutrennen und bin dann an meine Bernina gegangen. Diese hat momentan aber auch Probleme mit der Unterfadenspannung. Sowohl beim Nähen als auch beim Sticken. Eigentlich müsste ich sie zur Wartung bringen. Gestern haben wir aber unser Auto entsorgt und nun bin ich nicht mehr ganz so flexibel. In den nächsten Tagen werde ich mich aber bei einer CarSharing-Firma anmelden. Hier in Köln gibt es ja nicht einmal einen Bernina-Händler, sonst könnte ich sie auch mit der Bahn wegbringen.
      Liebe Grüße
      Carmen

  2. Die Händlerdichte bei Bernina ist hier auch ein Problem. Der nächste ist 40 km weit weg aber die Werkstatt dort taugt leider nix (er hat es nicht geschafft eine L460 zum laufen zu kriegen). Zum übernächsten sind es dann aber schon 100 km. Ich werd wohl mal einen Urlaub in dessen nähe anleiern müssen. Den Bauhofoverall trägt auf dem Bild nicht der Kleine sondern meine zweite Tochter vor 2 Jahren. Ich wollte nur etwas zeigen das ich für den Herbst genäht habe. So weit ist der kleine noch lange nicht. Mit seinen 10 Monaten hat er erst mal das robben entdeckt. Frei sitzen klappt noch garnicht. Dafür kann er Mama jammern wenn ich kommen soll, liebt Bilderbücher und winkt, plappert und singt. Ist ein echter Sonnenschein 😉 Nähen bleibt da leider echt hinten. Ich tröste mich aber mit Stoffe und Nähzeitschriften kaufen.
    Liebe Grüsse,
    Martina

  3. Boh, ist das ein cooler Rucksack! Gefällt mir echt super. Die Idee einen anderen als Vorlage zu nutzen ist auch genial + Wiederverwertung von einigen Bauteilen. Ich kann nachvollziehen, dass das auch ein stückweit Nervensache ist 🙂
    Hat sich aber absolut gelohnt.

    LG Silke

    • Danke dir. Wenn es sehr heiß ist, kommt man damit allerdings ganz schön ins Schwitzen, denn atmungsaktiv ist LKW-Plane nun wirklich nicht. Ich hatte den Rucksack mit in Bordeaux und da habe ich ihn tatsächlich lieber in der Hand als auf dem Rücken getragen. Inzwischen habe ich ihn aber meinem Bruder übergeben, der ihn zum Glück auch gut findet.
      LG Carmen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.