DIY: (Verdunkelungs-) Vorhänge nähen

Vorhänge waren vor Jahren mein erstes Nähprojekt, das ich nach meinem Auszug von Zuhause mit der mir von meiner Mutter geschenkten Nähmaschine genäht habe. In der Zwischenzeit habe ich unzählige Vorhänge genäht (weil wir doch recht häufig umgezogen sind), aber erst in diesem Jahr habe ich zum ersten Mal Verdunkelungsvorhänge genäht.

Die Vorhänge sind diesmal allerdings nicht für uns, sondern für eine liebe Bekannte. Sie arbeitet nachts und muss tagsüber schlafen. Weil sie sehr hohe Fenster hat, gab es in der von ihr benötigten Vorhanglänge keine Verdunkelungsvorhänge zu kaufen. Darum hat sie sich selbst Stoff gekauft und ich habe ihr die Vorhänge genäht.

Das Nähen von Vorhängen ist im Grunde nicht schwer, aber Nähanfängern helfen vielleicht doch ein paar Tipps.

Bevor man den Stoff für die Vorhänge zuschneidet, muss man sich genau überlegen, wie lang sie insgesamt sein sollen, wie weit man den Saum noch oben umschlagen will und wie man sie befestigen möchte (mit oder ohne Ösen, mit oder ohne Tunnelzug, mit oder ohne Bindebänder, mit oder ohne Falten-oder Universalband usw.).

Zur gewünschten Gesamtlänge muss man dann die Nahtzugaben und den Stoffverbrauch für den Saumumschlag und den Umschlag an der oberen Kante addieren.

Wenn man unsicher ist, was die Länge betrifft, kann man sie auch erst einmal etwas länger zuschneiden und nach dem ersten Aufhängen entscheiden, wo und wie breit man den Saum haben möchte.

Bei den von mir genähten Verdunkelungsvorhängen war eine spätere Gesamtlänge von 3,30 Meter gewünscht.

Zugeschnitten habe ich sie mit einer Länge von 3,55 Metern.

Eine solche Länge gerade zuzuschneiden ist nicht nur für einen Nähanfänger nicht ganz einfach. Obwohl wir relativ viel Platz haben, reichte auch bei mir der Platz nicht, um den Stoff in der kompletten Länge ausbreiten zu können.

Ich habe den Stoff deshalb doppelt gelegt und mit einem Winkellineal ein Ende gerade abgeschnitten. Dieses Ende habe ich dann an eine Fußbodenleiste gelegt und beschwert, sodass der Stoff nicht so leicht verrutschen konnte.

Wie ihr auf dem Foto seht, habe ich den Stoff mit einem dicken Buch beschwert und auf der anderen Seite habe ich meine alte Singer-Nähmaschine zum Beschweren auf das auf den Stoff gelegte Winkellineal gestellt. Die Nähmaschine steht sowieso im Raum, da bot es sich an, sie zweckzuentfremden. Mehrere schwere Bücher tun es natürlich auch.

Am anderen Stoffende habe ich eine Schneidematte untergelegt.


Da die Matte über ein Raster verfügt, kann man den Stoff wunderbar mithilfe von Schneiderlinealen gerade abschneiden, vorher muss man allerdings noch einmal die Gesamtlänge auf beiden Seiten nachmessen und sie mit Kreide markieren, damit man auch nicht zu viel oder zu wenig wegschneidet.

Auf dem Foto seht ihr, dass der Stoff seitlich parallel zum Raster der Schneidematte liegt.

Bei Vorhängen aus Baumwolle oder einem anderen dünnen Stoff näht man nun die rechten und linken Seiten um. Man schlägt dazu die Seitenkanten erst ca. 1cm um und dann noch einmal einige Zentimeter je nach Geschmack. Ich nehme meist 3cm bis 5cm. Dünne Stoffe lassen sich meist auch prima bügeln und halten dann ihre Form bei. Man muss dann nicht so viel feststecken. Aber bitte vorher an einem Stoffrest testen, ob der Stoff zum Bügeln geeignet ist.

Weil der Verdunkelungsvorhangstoff so dick ist, dachte ich mir, er würde doch sehr abstehen, wenn ich ihn umgeschlagen an der Seite feststeppen würde. Plattbügeln ließ er sich nämlich leider nicht. Eine zweite Absteppungsnaht an der Seite war auch nicht gewünscht, sonst hätte ich ihn damit „bändigen“ können. Deshalb kam meine Bekannte auf die Idee, die Seitenkanten mit einem Satinband einzufassen.

Durch das Einfassen mit einem Band gewinnt man natürlich auch etwas an Breite, da der Stoff dabei ja nicht umgeklappt wird. Das Feststecken und Annähen ist aber sehr zeitaufwändig, wenn die Vorhänge so lang sind, wie die von mir genähten.

Erst einmal habe ich das 5cm breite Satinband mittig zusammengebügelt 
und dann festgesteckt. Damit beim Festnähen nichts verrutscht, habe ich die Nadeln sehr dicht gesetzt und beim Stecken immer wieder kontrolliert, ob ich auch wirklich Vorder- und Rückseite des Satinbandes mit der Nadel treffe.

Die Mühe hat sich ausgezahlt, denn ich musste kein einziges Mal nachbessern und habe alles gleich und recht gleichmäßig getroffen. Mit einem Bandeinfasser wäre das Annähen natürlich viel einfacher, aber für eine solche Bandbreite habe ich leider keinen. Das Nähen ging auch nur sehr langsam voran, da beim Nähen ja alle Nadeln wieder herausgezogen werde müssen.

Sind die Seitenkanten umgenäht, kann man ein Universal-oder Faltenband auf- und den Saum umnähen.

Weil die Vorhänge so lang sind, hat meine Bekannte ein breites Faltenband gekauft, obwohl sie gar keine Falten möchte. Ein Universalband hätte es also auch getan. Jedenfalls wollte sie das Faltenband mit einem Abstand von 1cm zur oberen Kante aufgenäht haben.

Bevor man ein Universal- oder Faltenband feststeckt, klappt man die obere Kante des Vorhangstoffs einige Zentimeter um (die man zuvor schon bei der Gesamtlänge berücksichtigt hat). Damit alles schön gerade ist, zeichnet man sich mit Kreide und Schneiderlineal eine Markierungslinie auf. Möchte man das Band z.B. 3cm umklappen, zeichnet man sich bei 6cm eine Markierungslinie. Ich habe den Stoff 6cm umgeklappt und mir bei 12cm eine Markierungslinie gezogen.

Auch das Falten-oder Universalband wird seitlich vor dem Feststecken umgeklappt, wobei man darauf achten muss, dass die Aufhänger für die Gardinenhäkchen auch seitlich beginnen und enden. Eventuell muss man auch etwas Band wegschneiden, damit man nicht zu viel umklappen muss. Beim Faltenband sind nämlich große Abstände zwischen den Aufhängern und dann ist es schlecht, wenn man erst nach einigen Zentimetern das erste Häkchen anbringen kann.

Beim Umklappen fasst man den bereits zuvor umgeklappten Vorhangstoff zwischen das Falten- oder Universalband, das sieht dann so aus:


Zum Feststecken des Faltenbandes habe ich mir ein Lineal zur Hilfe genommen, damit ich den gewünschten Abstand von 1cm überall einhalte. Man kann sich natürlich auch eine Hilfslinie mit Kreide aufzeichnen. Wünscht man sich, dass der Stoff die Vorhangschiene noch etwas mehr verdeckt, lässt man einen größeren Abstand. Beim Faltenband kann man aber durch das Anbringen der Gardinenhäkchen noch etwas variieren, da es zwei Reihen mit Aufhängern gibt.


Festgenäht wird das Band in einem Rutsch, wenn möglich, verschiebt man die Nadelposition um eine Position nach links.


Festgenäht sieht das Band von innen dann so aus


und von außen so:


Ich beginne immer an einer Seite mit dem Festnähen und nähe am Ende noch einmal vor- und zurück über meine Anfangsnaht um die Naht zu sichern.

Anschließend kann der Saum umgenäht werden. Dazu schlägt man den Saum erst einmal 1cm oder etwas mehr um. Weil der Verdunkelungsvorhang so dick ist, habe ich ihn 1,5cm umgeklappt. Vorher habe ich mir wieder mit Schneiderkreide und Lineal eine Hilfslinie aufgezeichnet. Dünne Stoffe lassen sich auch prima umbügeln, bei dem Verdunkelungsstoff ging das wie bereits geschrieben leider nicht. Damit man die Markierungslinie beim Umklappen auch noch sieht, muss man sie auf der rechten Stoffseite anbringen.

Auf der linken Stoffseite markiert man sich dann, bis wohin man den Saum umklappen möchte. Bei den von mir genähten Vorhängen wurde der Saum 12,5 umgeklappt. Die Markierung habe ich deshalb mit einem Abstand von 26,5cm zur unteren Kante gesetzt. 1,5cm wird der Stoff ja an der Kante vor dem Festnähen umgeklappt und 12,5cm liegt er doppelt.

Für die Markierung der Saumzugabe rechnet man also zweimal die gewünschte Breite plus Nahtzugabe.

Möchte man den Saum 20cm breit umklappen, muss man die Markierung bei 41cm zeichnen, wenn man 1cm Nahtzugabe für das Umklappen der oberen Kante gibt.

Damit der Stoff beim Nähen nicht verrutscht, habe ich ihn wieder sehr eng mit Stecknadeln festgesteckt. Lässt man beim Feststecken größere Lücken, kann es leicht passieren, dass der Stoff sich beim Nähen zu sehr bewegt. Bei dünneren Stoffen kann man den Stoff vor dem Feststecken bügeln.


Festgenäht habe ich den Saum mit einer nach rechts verschobenen Nadel. Seitlich habe ich jeweils eine Öffnung von ca. einen Zentimeter gelassen, damit man eventuell noch ein Bleiband einziehen kann. Wenn man das aber sowieso nicht braucht, kann man die Seitennähte auch komplett schließen. Man fängt also wieder seitlich an zu nähen und hört auch seitlich auf. Anfangs- und Endnähte sichert man mit einigen Vor- und Rückstichen.

Insgesamt habe ich vier Vorhangschals genäht und ehrlich gesagt war ich sehr froh, als ich fertig damit war. Über 28 Meter Satinband feststecken und aufnähen hat auch mir keine Freude gemacht. Aber trotzdem habe ich die Vorhänge gerne genäht, da ich weiß, dass meine Bekannte sich sehr darüber freut. Auf dem Fußboden fotografiert sehen sie völlig unscheinbar aus.


Am Fenster hängend machen sie aus einer Wohnung aber ein gemütliches Zuhause.

Und da der Frühling noch auf sich warten lässt, ist es umso schöner, wenn man es drinnen gemütlich hat.

Liebe Grüße
Carmen

PS: Liebe Lisa, ich danke dir, dass ich deine Vorhänge hier zeigen darf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.