DIY: Quilt heften und nach Muster-Vorlage quilten

Ihr Lieben,

nachdem mein schon vor Jahren in Princeton begonnener Dresden Plate Quilt im letzten Monat endlich fertig geworden ist, kann ich nun ein paar Tipps zum Heften und Quilten mit euch teilen, die mir bei meinem Quilt sehr geholfen haben.


Mein Quilt ist ca. 2,5m mal 2,5m groß, auf dem Bild oben seht ihr ihn leider nicht ganz, und ursprünglich hatte ich ihn noch größer geplant. Weil er aber doch zu groß für unser Bett geworden wäre, habe ich – ihr erinnert euch vielleicht- insgesamt fünf bereits mit Hand aufgenähte Dresden Plates wieder entfernt. Aufgrund der Größe hatte ich eigentlich vor, ihn mit einer Longarm-Maschine zu quilten, die ich stundenweise zur Benutzung gemietet hätte. Dafür hätte ich aber bis nach Bensberg zu Lalala-Patchwork fahren müssen und für die Hin- und Rückfahrt wäre ich ohne Auto schon über zwei Stunden unterwegs gewesen. Und einen schweren Quilt durch die Gegend zu tragen, wäre sicher auch kein Vergnügen gewesen. Eine liebe Leserin, mit der ich in E-Mail-Kontakt stehe, meinte zu mir, statt viel Geld für die Benutzung einer Maschine auszugeben, würde sie sich dann lieber eine günstige Quilt-Maschine kaufen. Daraufhin habe ich mir die Daten der von ihr vorgeschlagenen Maschine angeschaut (die natürlich mit einer Longarm nicht zu verlgeichen ist) und festgestellt, dass meine Bernina auch nur einen 4cm geringeren Durchlass hat und ich den Quilt dann vermutlich auch mit meiner eigenen normalen Nähmaschine quilten kann. Auf der Internetseite von Lalala-Patchwork hatte ich gesehen, dass man seine Quilts dort auch mit der Longarm heften (lassen) kann und das brachte mich zum ersten Mal auf die Idee, einen Quilt mit meiner eigenen Maschine (einer Bernina Artista 730) zu heften, denn einen Heftstich habe ich auch.

Die Rückseite meines Dresden Plate Quilts war nur wenige Zentimeter größer als das Top.


Deshalb hatte ich Angst, der Stoff würde sich beim Quilten so sehr verschieben, dass die Rückseite das Batting nicht mehr überall überdeckt.

Darum beschloss ich, erst einmal das Top mit dem Batting mit der Maschine zusammenzuheften und diese beiden Lagen anschließend erst mit der Rückseite zu verbinden.

Bevor ich den Stoff der Vorderseite mit Sicherheitsnadeln mit dem Batting zusammengeheftet habe, habe ich erst einmal alle Stoffe gebügelt.

Bei den Quilts, die ich bislang genäht hatte, war das Heften mit Sicherheitsnadeln meine einzige Heftmethode gewesen und deshalb weiß ich, dass dabei der Stoff immer auch noch verrutscht ist. Manche Quilter ersparen sich das Heften und kleben die einzelnen Lagen mit Sprühkleber zusammen. Dieser hält aber nicht lange und diese Methode wäre nicht nur deshalb nicht für mich in Frage gekommen, denn Sprühkleber mag ich sowieso nicht.

Beim Zusammenheften mit Sicherheitsnadeln ist es eine große Erleichterung, wenn man den Quilt komplett auslegen kann. Bei einem so großen Quilt ist das wohl nur auf dem Boden möglich. Zugegebenermaßen ist das Arbeiten auf dem Fußboden auch nichts, das ich gerne mache, aber wenn man keine Longarm-Maschine hat, geht bei einem großen Quilt wohl kein Weg daran vorbei.

Den mit Sicherheitsnadeln gehefteten Quilt habe ich zusammengerollt, damit ich ihn überhaupt zur Maschine tragen konnte.


Weil ich nicht wusste, ob sich der Stoff beim Heften mit der Maschine noch verschieben würde, habe ich das Batting erst einmal mit großzügigem Rand zugeschnitten und diesen erst nach dem Heften mit der Maschine abgeschnitten.

Das von mir verwendete Batting ist übrigens ein Bambus-Baumwolle-Batting, das ich mir in Amerika gekauft habe.

Während des Heftens mit der Maschine musste alles wieder aufgerollt werden. Aber auch wenn es auf dem Foto nicht so aussieht, als könnte man so zwei Stoffe faltenfrei verbinden, so hat es dennoch wunderbar funktioniert. Natürlich ist dieses Vorgehen nicht mit dem Heften mit einer Longarm-Maschine zu vergleichen, da dort der Quilt aufgespannt wird und die Stoffe nicht verrutschen können. Ich vermute mal, dass man damit auch wesentlich schneller fertig ist,  da man nicht zuerst alles mit Sicherheitsnadeln heften muss und schon gar nicht zweimal, aber es geht auch so.


Jedenfalls war ich ganz begeistert als das Top mit dem Batting verbunden war und ich habe mich danach getraut, das Batting auf die Maße des Tops zurückzuschneiden. Anschließend habe ich diese beiden Lagen wieder mit Sicherheitsnadeln auf die Rückseite geheftet

und anschließend alle drei Lagen noch einmal mit der Maschine geheftet. Die Heftstiche lassen sich später ohne Probleme wieder entfernen, da die Stiche eine sehr große Stichlänge haben und die Maschine beim Heften den Stoff immer ein Stückchen vorschiebt, ohne einzustechen. Wenn man keine Maschine mit integriertem Heftstich hat, kann man auch nur Sicherheitsnadeln zum Heften verwenden, wenn der Stoff der Rückseite groß genug ist, oder heftet mit der Hand, was natürlich sehr mühsam ist. Aber eine gute Vorarbeit lohnt sich immer.

 


Sollte ich noch einmal einen Quilt nähen, werde ich ihn auf jeden Fall wieder mit der Maschine heften, denn diese Methode hat sich bei meinem Dresden Plate Quilt absolut bewährt und die Stoffe haben sich nach dem Heften so gut wie nicht mehr verschoben.

Nach dem Heften habe ich zunächst alle 25 Dresden Plates mit dem BSR-Fuß nachgequiltet.


Wer keinen BSR-Fuß hat, näht freihand, indem er den Transporteur seiner Nähmaschine versenkt. Der BSR-Fuß hat den Vorteil, dass er für gleichmäßige Stiche sorgt, indem er die unregelmäßige Nähgeschwindigkeit beim Führen des Stoffes ausgleicht. Sowohl beim Nähen mit dem BSR-Fuß als auch beim Freihandnähen muss man den Stoff nämlich führen, d.h. man schiebt ihn dorthin, wo man die Naht haben möchte. Genaue Abstände einzuhalten ist dabei nicht immer ganz einfach.

Besonders ärgerlich ist es, wenn es dann kurz vor Ende zu einem Fadenkuddelmuddel kommt.


Zum Glück kam das bei mir aber nicht allzu häufig vor.

Nachdem alle Dresden Plates nachgequiltet waren, wusste ich einige Tage erst einmal nicht, wie ich den Rest quilten sollte.

Mein Mann schlug Dreiecke rund um die einzelnen Plates vor, aber das gefiel mir nicht. Bei meiner Inspirationssuche habe ich dann ein Quiltmuster entdeckt, das mir wesentlich besser geeignet schien. Es ist ein Muster aus dem Buch „501 Quiltings Motifs: Designs for Hand or Machine Quilting“ (That Patchwork Place). Das Buch habe ich im selben Jahr, in dem ich die Stoffe für diesen Quilt in Princeton gekauft habe, von der Leiterin der Crafts-Gruppe in der Nursery School meiner kleinen Tochter als Dank für meine Mitarbeit geschenkt bekommen.

Allerdings war mir das Muster etwas zu klein und ich habe es auf 141 Prozent vergrößert. Diese Vorlage habe ich dann nach und nach 100mal auf Stickvlies übertragen. Am besten nimmt man dazu einen wasserlöslichen Stift.

Das Stickvlies habe ich mit großen Quiltstecknadeln auf den Quilt gesteckt und dann die Linien mit dem BSR-Fuß nachgenäht. Zum Nähen habe ich mir Gummihandschuhe angezogen, damit ich nicht über den Stoff rutsche, sondern ihn gut schieben kann.


Die Fäden habe ich dabei mit Absicht lang gelassen.


Nach dem Nachnähen habe ich das Stickvlies dann ganz vorsichtig abgerissen.


Alternativ hätte ich auch wasserlösliches Stickvlies verwenden können, aber das wollte ich nicht, da das Wegreißvlies fester ist und ich besser darauf zeichnen konnte. Noch komfortabler wäre es vermutlich gewesen, wenn ich eine Quiltschablone gehabt hätte, deren Muster ich mit einem wasserlöslichen Marker auf den Stoff direkt übertragen hätte. Aber wenn man nicht alles zur Verfügung hat, muss man sich eben Alternativen überlegen.


Nachdem das Stickvlies entfernt war, mussten nun noch die Fäden vernäht werden, damit die Stiche sich nicht auflösen können. Lange Fäden habe ich mit einer normalen Nähnadel vernäht


kurze mit einem sog. Thread Pic,


einer Art Minihäkelnadel, die ich mir aus Amerika mitgebracht hatte.

Nachdem ich die 100 Ecken gequiltet hatte, war ich immer noch nicht zufrieden und musste mir überlegen, was ich auf die Mitten der Dresden Plates nähen würde und wie ich die kleinen Quadrate zwischen den Plates quilten würde. Doch davon berichte ich euch in einem anderen Beitrag.

Falls ihr selbst schöne Muster ohne Stickmaschine mehr oder weniger gleichmäßig auf einen Quilt nähen wollt, kann ich euch meine Methode nur empfehlen. Beim Abreißen des Stickvlieses müsst ihr allerdings sehr vorsichtig sein, um keine Stiche herauszuziehen. Meine Stiche sind so klein, dass sie das Stickvlies mehr oder weniger perforiert haben und das Wegreißen ging relativ gut. An manchen Stellen blieben zwar kleine Stückchen hängen, die ich anschließend noch einmal extra entfernen musste, aber das hat mich persönlich nicht gestört. Wer eine solche Arbeit scheut, nimmt einfach wasserlösliches Stickvlies, aber nicht wasserlösliche Stickfolie, denn auf diese kann man nicht so gut zeichnen.

Viele Grüße
Carmen

 

3 Gedanken zu „DIY: Quilt heften und nach Muster-Vorlage quilten

  1. Wow😍😍😍
    Ich bin sprachlos, liebe Carmen!!! Dein Quillt ist fertig 🎉🎉🎉🎉
    Gratulation. Er ist Wunder wunderschön geworden und du kannst richtig stolz darauf sein!!!
    Ich wusste vorher garnicht wieviel Arbeit in so einem Kunstwerk steckt.
    Hut ab, Du hast da wirklich ein Meisterwerk genäht.
    Deine ausführlichen Beschreibungen lassen mich jedoch eher Abstand vom Quilten nehmen. Das ist glaube ich eine Spur zu aufwändig für mich, die leider meist nur abends nach 22 Uhr nähen kann. Da habe ich auch nicht genug Geduld für😉
    Ganz liebe Grüße
    Silvia

    • Liebe Silvia,
      vielen Dank für dein Lob, aber ein Meisterwerk ist er nun ganz und gar nicht. Von Beginn an habe ich Fehler gemacht, die ich gar nicht alle hätte ausbessern können. Lass dich von meinen Beschreibungen doch bitte nicht vom Quilten abbringen. Man kann auch sehr schöne schnelle Quilts nähen. An meinem ersten Quilt habe ich insgesamt drei Wochen genäht und obwohl er viel weniger aufwändig war, gefällt er mir mindestens genau so gut wie der Dresden Plate Quilt. Geduld braucht man allerdings schon etwas, aber man kann den Quilt ja auch immer wieder liegen lassen und näht nur dann daran, wenn man Lust hast. Deshalb hat es bei diesem Quilt auch Jahre gedauert, bis er endlich fertig wurde. Mir fehlte einfach die Motivation, aber nun bin ich doch froh, dass ich nicht aufgegeben habe. Die Arbeit an einem Quilt zahlt sich meiner Meinung nach auch aus, da man jahrelang Freude daran hat, zumindest ist das bei uns so.
      Ganz liebe Grüße
      Carmen

  2. Boa,das hast Du ja toll hinbekommen. Ne, ich bekomme so ein Riesenteil nicht durch meine Maschine gewürgt. Der Nähfuss ist sehr interessant. Gibt es aber sicher nur für Bernina. Ich freu mich schon auf Bilder von dem total fertigen Quilt. Derjenige, der ihn haben darf, ist ein ganz Glücklicher. LG Birgitt

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